Es gibt theoretisch zwei Möglichkeiten, wie man einer starken Entwässerung während einer Hitzebelastung entgegenwirkt, indem man entweder ausreichend trinkt oder die Flüssigkeitsabgabe stark begrenzt (700–800 ml/h).
Sind beide Möglichkeiten realisierbar und vor allem der Gesundheit des Sportlers dienlich?
Bekanntlich wirkt die bei längeren Ausdauerbelastungen auftretende Entwässerung leistungsmindernd und ermüdend. Dieser Effekt beginnt, wenn bei Langzeitbelastungen (gleich in welcher Ausdauersportart) das Körpergewicht um über 3 Prozent abnimmt, d. h. bei 70 kg um 2,1 kg. Jeder Sportler weiß natürlich, dass er vor dem Start nur begrenzt Wasser auf Vorrat trinken kann. Außerdem – und das ist inzwischen eindeutig belegt – kann zu reichliches Trinken bei relativ geringer Belastungsintensität zu einer „Wasservergiftung“ führen. Das gilt besonders für mehrstündige Wettbewerbe. Auffallend dabei ist, dass die Kochsalzverarmung (Hyponatriämie) nur mit geringen Gewichtsverlusten einhergeht oder es sogar zu Gewichtszunahmen kommen kann.
Wiegt ein Athlet bei Hitzewettkämpfen am Ende also mehr als vorher, dann hat er zu reichlich getrunken, und es besteht bei ihm die Gefahr einer „Wasservergiftung“. Normalerweise müsste z. B. ein Langtriathlet 1,2 bis 2,5 kg durch Fettverbrennung und Glykogenverbrauch (einschließlich Glykogen-Bindungswasser) abnehmen.
Auf keinen Fall sollte reines Leitungswasser oder Tafelwasser, die beide extrem kochsalzarm sind, bei Hitze getrunken werden, denn dadurch würde die Natriumkonzentration im Blut stark absinken. Die Abnahme der Blutnatriumkonzentration ist deshalb so gefährlich, weil ein Hirnödem droht, dessen erste Anzeichen eine auffällige Desorientierung und Schrittunregelmäßigkeit beim Laufen sind. In diesem Zustand ist ärztliche Behandlung notwendig, der das Natriumdefizit über eine Infusion langsam auffüllen muss.

Widersprüchliche Meinungen der Experten

Um die Störungen im Flüssigkeitshaushalt gering zu halten, wurde nach nutzbaren wasserzurückhaltenden Substanzen gesucht. Eine solche Substanz ist das Glyzerol. Glyzerol ist ein dreiwertiger Alkohol und hat eine hohe Wasserbindungsfähigkeit. Wer Glyzerol zu sich nimmt, scheidet für eine bestimmte Zeit weniger Wasser aus, denn es bewirkt eine Wasserzurückhaltung im Körper. Dabei wird die Durchblutung der Nieren um über 30 Prozent gedrosselt, und die Urinproduktion sinkt. Durch die Glyzerolaufnahme kann, abhängig von der Dosierung, mehr als 30 Prozent Wasser zurückgehalten werden. Eine erhöhte Wasserzurückhaltung produziert aber eine erhöhte Schweißmenge (300 bis 400 ml/h) und bewirkt eine um 0,7 °C niedrigere Hauttemperatur (bessere Kühlung). Die Glyzerolaufnahme hat allerdings bei Belastungen bis zu einer Stunde Dauer überhaupt keinen Effekt im Vergleich zu einer ausreichenden Auffüllung des Körperwasserhaushalts vor dem Start.
In einigen Untersuchungen wurde eine Leistungsverbesserung an Radsportlern durch die Glyzerol-Wasseraufnahme (50 bis 100 ml Glyzerol in 1 bis 2 l Wasser zwei Stunden vor der Belastung) nachgewiesen. Aber nicht alle Wissenschaftler, die sich bisher mit den Wirkungen des Glyzerols befasst haben, konnten eine positive Wirkung des Glyzerols bestätigen.
Der Nutzen einer Glyzerolaufnahme wird also selbst in Fachkreisen widersprüchlich beurteilt und dazu kann auch an dieser Stelle nicht geraten werden.

Deshalb folgender Ratschlag:

Falls der Sportler vor einer Hitzebelastung ausreichend trinkt und während der Belastung von Anfang an regelmäßig salzhaltige Flüssigkeit (ca. 1 g Kochsalz/Liter Flüssigkeit) aufnimmt, dann kann und sollte er auf eine Glyzerolaufnahme verzichten.
Prinzipiell sollte in den Ausdauersportarten nicht mit Glyzerol manipuliert werden, weil die Risiken in der Thermoregulation und Muskeldurchblutung noch nicht überschaubar sind.
Nur am Rande: Bodybuilder setzen häufig ein Glyzerol-Wasser-Gemisch (1 bis 2 Stunden vor ihrem Auftritt) zur besseren Demonstration ihrer Muskeln ein. Die Glyzerolaufnahme bewirkt einen Wasserausstrom aus dem Zellzwischengewebe in die Blutbahn. Das Unterhautgewebe wird dadurch wasserärmer und die Muskelkonturen treten deutlicher hervor. Außerdem trinken sie am Wettkampftag wenig und nehmen zur Zellentwässerung noch zusätzlich Kalium auf.

Prof. Dr. med. habil. Georg Neumann
Leipzig