Die Suche nach dem idealen Laufschuh gestaltet sich aufgrund der Vielzahl von Marken und Modellen schwierig, ist aber keineswegs aussichtslos, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Laufschuhentwicklung

Die ersten Laufschuhe bestanden aus Leinen oder Leder mit einer dünnen Hartgummisohle und Lochschnürung. Erst in den siebziger Jahren setzte der Entwicklungsprozess der Laufschuhe ein. Die harten Zwischensohlen wurden durch weiche, dämpfende Materialen ersetzt, um die Stoßbelastungen beim Laufen auf asphaltierten oder betonierten Straßen (Stadtmarathons) zu reduzieren. Nach einigen Jahren stellte man fest, dass diese weichen Dämpfungsmaterialen zu einer erhöhten Instabilität des Abrollvorganges führen und Schwächen oder Fehlhaltungen im Bereich des Fußes verstärken. Um Stabilität und Dämpfung zu sichern, wurde der Schuhaufbau in seinen einzelnen Komponenten (Leisten, Schaft, Zwischensohle) mit verschiedenen Dämpfungs- und Stabilitätssystemen und -materialien weiterentwickelt, sodass heute eine Modellvielfalt für die unterschiedlichen Anforderungen an den Laufschuh zur Verfügung steht.

Belastungen beim Laufen

Das Stütz- und Bewegungssystem benötigt ein ausgeglichenes Verhältnis von Be- und Entlastung, um seine Funktion optimal erfüllen zu können. Sowohl die Über- als auch die Unterforderung führt zu degenerativen Veränderungen. Viele Beschwerdebilder entstehen durch zu hohe Impact-Belastungen (Stoßbelastung beim ersten Bodenkontakt) und vor allen durch übermäßige Zug- und Scherkräfte, die durch Ausweichbewegungen, Fehltritte und ungesunde (unphysiologische) Gelenkstellungen wie der Überpronation (Fuß knickt auf die Innenseite verstärkt ab) und Übersupination (Fuß knickt auf die Außenseite verstärkt ab) verstärkt werden. Je nach Höhe der Laufgeschwindigkeit und in Abhängigkeit von Laufstil und Streckenprofil tritt beim Ausdauerlauf in der Ebene eine Aufprallkraft pro Schritt vom zwei- bis dreifachen des Körpergewichts auf. Für einen 10-km-Lauf in 40 min würde bei einem Läufer mit einem Körpergewicht von 80 kg, einer durchschnittlichen Schrittlänge von 1,5 m und einer Belastung pro Schritt vom Doppelten des Körpergewichts eine totale Belastung von 533 Tonnen auf den Fuß wirken. An diesem Beispiel wird die Bedeutung einer guten und dauerhaften Dämpfung offensichtlich.

Körpergewicht und Laufgeschwindigkeit

Der Laufschuh verformt sich unter Krafteinwirkung und kehrt in der Entlastungsphase zur Ausgangsstellung zurück. Das Ausmaß der Verformung, hauptsächlich das Zusammendrücken der Zwischensohle, wird vom Körpergewicht und der Laufgeschwindigkeit bestimmt. Mit zunehmender Laufgeschwindigkeit nimmt aufgrund der kürzer werdenden Bodenkontaktzeiten die Verformungsgeschwindigkeit zu. Je höher die Laufgeschwindigkeit und das Körpergewicht sind, desto stabiler sollte demnach der Schuh gebaut sein, um eine angemessene Führung zu sichern. Ein zu „weicher Schuh“ kann den auftretenden Kräften nicht standhalten, wird sich verformen und kann dem Fuß keine Stabilität bieten. Überlastungsreaktionen an Bändern, Sehnen und Gelenken sind meist die Folge.

Laufstil: Vorfuß-, Mittelfuß-, Rückfußläufer

Die Mehrzahl der Langstreckenläufer setzt mit dem Rückfuß auf. Dies ist möglich geworden, weil der Schuh die Aufprallkräfte dämpft. Beim Barfußlauf würde niemand auf der Ferse landen wollen, weil die Stoßbelastung auf das Fersenbein, über Sprungbein, Schienbein, Oberschenkelknochen und Wirbelsäule bis zum Kopf annähernd ungedämpft weitergeleitet wird. Erfolgt der Fußaufsatz auf dem Vor- oder Mittelfuß, kann das elastische Verhalten von Sehnen und Muskulatur zur Dämpfung besser genutzt werden. Bei der Auswahl eines Laufschuhs sollten Sie darauf achten, dass der Schuhaufbau Ihrem rimären Laufstil entspricht.

Kriterien für die Wahl des idealen Laufschuhs

Beim Kauf eines Laufschuhes sollten Sie mehrere Kriterien hinsichtlich der Hauptfunktionen Dämpfen, Stützen oder Führen berücksichtigen.

  1. Abweichungen vom Normalfuß wie Hohlfuß, Knick-Senkfuß oder Spreizfuß
  2. Laufstil: Vorfuß-, Mittelfuß-, Rückfußläufer
  3. Abrollverhalten: Übersupination
  4. Überpronation
  5. Körpergewicht
  6. Einsatzbereich: Training oder Wettkampf
  7. Laufuntergrund: weicher oder harter Bodenbelag
  8. Vorhandene Beschwerdebilder in Sehnen, Bändern und Gelenken

Das Gewicht des Laufschuhes, meist zwischen 280 und 350 g, sollte bei der Auswahl keine große Rolle spielen. Wichtiger als eine Gewichtsersparnis sind funktionelle Bauelemente des Schuhs (z. B. Flexzonen im Vorfußbereich zur verbesserten Abrollbewegung) und die optimale Passform. Nehmen Sie Ihre alten Laufschuhe mit ins Fachgeschäft, um Abnutzungserscheinungen der getragenen Schuhe zu beurteilen. Testen Sie die ausgewählten Schuhmodelle durch einen Probelauf und beachten Sie, dass sich Ihr Fuß über den Tag hinweg ausdehnt. Häufig werden Videoanalysen und Druckmesssohlen zur Beurteilung des Gangbildes bei verschiedenen Schuhtypen und -modellen eingesetzt. Die Schuhe haben die richtige Passform, wenn die Zehen in aufrechtem Stand etwa daumenbreit nach vorn Platz haben und auf die Fußbreite abgestimmt sind, also insbesondere die physiologische Abrollbewegung des Fußes nicht hinsichtlich Länge, Weite und Breite einschränken.
Laufen Sie mehr als 30 Kilometer in der Woche oder laufen Sie in unterschiedlichem Gelände, sollten Sie mindestens zwei Paar Laufschuhe benutzen, um einseitige, vom Schuh resultierende Beanspruchungen zu vermeiden und um den Schuh dem Trainingsterrain anzupassen.
Kein Laufschuh kann Defizite im Laufstil vollständig korrigieren oder gar den Fuß in eine „Normalstellung“ bringen, vielmehr hat er die Aufgabe die individuellen Ausprägungen des Laufstils (z. B. Überpronation) zu stützen. Auch der beste Schuh ersetzt keine aktiven Maßnahmen wie Kräftigung der Fuß- und Beinmuskulatur, Fußgymnastik und Übungen zur Laufkoordination.

Bauteile eines Laufschuhs

Leisten (Schuhform):

Anhand der Leisten wird die Form des Schuhs bestimmt. Jeder Hersteller verwendet eigene Leistenformen für Frauen, Männer und Kinder. Es gibt gerade und unterschiedlich stark gebogene Leisten. Der gerade Leisten bietet maximale Stabilität für die Fußinnenseite. Wettkampfschuhe habe eine starke Innenbiegung der Leisten, um eine schnellere Abrollbewegung zu erleichtern.
Schaft:
Der Schaft umhüllt, schützt und führt den Fuß. Als Materialen werden u. a. grobmaschiges Nylon, Leder und wasserdichte Membranen verwendet.

Brandsohle:

Die Brandsohle verbindet Leisten und Schaft. Als Material wird Leder oder eine feuchtigkeitsresistente Pappe eingesetzt. Die Brandsohle trägt zur Stabilität des Schuhs bei.

Einlegesohle:

Sportschuhe haben Standardeinlegesohlen. Diese Innensohlen bestehen meist aus geschäumten Kunststoffen mit mehr oder weniger starker Unterstützung des Fußlängsgewölbes. Die Erfahrungen zeigen, dass sich Innensohlen schon nach wenigen Tragestunden den Druckverhältnissen unter dem Fuß anpassen und dämpfungsmindernde Deformationen aufweisen. Viele Sportler ersetzen oder ergänzen die Standardeinlage deshalb durch eine visko-elastische (gelartige) Einlegesohle (z. B. NOENE).

Zwischensohle:

Die Zwischensohle ist äußerst komplex aufgebaut und enthält unterschiedliche elastische Materialien. Die Dämpfung wird durch spezielle Elemente (Gel-, Luftkissen) und Systeme optimiert. Härtere Materialien an den Innen- und Außenseiten dienen als Pronations- bzw. Supinationsstütze.

Laufsohle:

Die Laufsohlen unterscheiden sich hinsichtlich Profil und Material (Hartgummi, Karbongummi, EVA-Gummigemisch).

Prof. Dr. Kuno Hottenrott
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Sportwissenschaft