Die Massage ist eine der ältesten Behandlungsformen der Heilkunde

Heute wird die Massage nicht nur zur medizinischen Behandlung bei bestimmten Erkrankungen oder Verspannungen, sondern ebenso zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit gezielt eingesetzt.

Klassische Massagen haben allgemeine und lokale Wirkungen auf Gefäße und Muskulatur:

  • führen zu psychischer Entspannung und einem verbesserten Wohlbefinden
  • regen das Kreislauf-, Lymph- und Hormonsystem an
  • beeinflussen reflektorisch die inneren Organe
  • fördern den Muskel- und Bindegewebsstoffwechsel
  • lindern Schmerzen
  • lösen Muskelverspannungen, -verhärtungen etc.
  • stellen eine funktionelle Muskelbalance her

Positive Effekte der Massage im Leistungssport

Von diesen vielfältigen positiven Wirkungen der Massage kann jeder profitieren. Im Sport wird allerdings die Massage bisher vor allem im Leistungssport konsequent genutzt. Vor dem Wettkampf verhilft sie den Aktiven zu einem verbesserten Vorstartzustand und nach dem Training und nach Wettkämpfen unterstützt sie die Regeneration. Bei regelmäßiger Anwendung im Trainingsprozess kann die Massage die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Muskulatur erhalten und fördern. Eine leistungs- und funktionsfähige Muskulatur ist jedoch nicht nur für Leistungssportler wichtig, sondern auch für alle Freizeitbetätigungen, die mit Bewegung, Spiel und Sport zu tun haben. Massage fördert auch bei Hobbysportlern das Wohlbefinden, beugt Verletzungen vor und hilft dabei, optimale Leistungen zu erbringen. Muskuläre Probleme resultieren häufig aus unkontrollierten Ausweichbewegungen, instabilen Bewegungsabläufen und einer unökonomischen Bewegungstechnik. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass vor allem auch Anfänger und weniger Geübte davon betroffen sind. Mit einer gezielten Massage lassen sich akute Beschwerden am Muskelskelett meist sehr schnell beheben, vor allem dann, wenn diese von einem erfahrenen Masseur/Physiotherapeut durchgeführt wird. Mit muskulären Beschwerden sollte nicht trainiert werden, denn Bewegungsschmerzen führen zu Schon- und Kompensationshaltungen und fördern das Entstehen von muskulären Dysbalancen und führen zu Überbelastungen. Die vielfältigen Wirkungen und Einsatzgebiete der Massage müssen verstärkt in das Bewusstsein aller sportlichen Aktiven gelangen.

Die richtige Technik: Selbstmassage zu Hause 

Da nicht jeder Aktive von einem Masseur/Physiotherapeut betreut werden kann, sollte man es vielleicht einmal mit einer Selbst- oder Partnermassage versuchen. Sie kann besonders für alle, die regelmäßig trainieren, zu einem Teil der körperlichen Hygiene und des Tagesablaufes werden. Hierzu sind allerdings gewisse Kenntnisse erforderlich, um die gewünschten Wirkungen zu erzielen. Grundsätzlich ist der zu massierende Muskel in die Stellung zu bringen, bei der er am stärksten entspannt ist. Als Massagegriffe eignen sich am besten Ausstreichen, Kneten, Zirkelung und Klopfen.

Beim Ausstreichen wird die ganze Handfläche eingesetzt. Die Hand streicht mit gleichmäßigem Druck über die zu massierende Muskulatur. Je stärker der Druck desto tiefere Schichten werden beeinflusst. Jede Massage beginnt mit dem Ausstreichen, weil dadurch eine Förderung der Durchblutung und Erwärmung der Muskulatur erreicht wird. Zugleich werden vorhandene Stoffwechselschlacken durch Anregung des venösen Rückstroms und Lymphstroms beseitigt.

Das Kneten erfolgt primär an größeren Muskelgruppen und hat vor allem einen durchblutungsfördernden und den Muskelstoffwechsel anregenden Effekt. Die Technik besteht darin, dass der Muskel zwischen Daumen und den übrigen Fingern so ergriffen wird, dass er leicht „geknetet“ werden kann. Begonnen wird mit den körperfernen Abschnitten zur Körpermitte hin. Die einzelnen Muskelstränge werden dabei nahezu aufgefasert.

Die Zirkelung belastet die Muskulatur stärker. Die Technik besteht darin, dass mit den Fingerbeeren, dem Daumenendglied oder -ballen geradlinige, kreisförmige oder spiralförmige Bewegungen mit relativ starkem Kraftaufwand auf die zu massierende Körperpartie ausgeübt wird. Die massierende Hand gleitet nicht über die Haut, sondern schiebt die Haut. Auf diese Weise werden Druck und Zug auf das Unterhautfettgewebe ausgeübt. Die Zirkelung dient nach dem Wettkampf oder Training zur Entschlackung und Lockerung vor allem der tiefliegenden Muskulatur.

Das Klopfen am Ende der Massagebehandlung kann mit der Handkante, mit der geballten Faust, mit der flachen Hand oder den Fingern erfolgen und erhöht bei richtiger Ausführung den Muskeltonus. Die Klopffolge ist schnell und rhythmisch. Dabei dürfen keine Schmerzen auftreten.

Diese manuellen Massagetechniken sind leicht erlernbar und bilden die Grundlage für ganz spezielle Massagemethoden (z. B. Bindegewebsmassage, Reflexzonenmassage). Die Techniken allein garantieren allerdings nicht den Erfolg der Massage. Es gehört viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen dazu, das Richtige am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen.

Grundsätzlich darf bei akuten Verletzungen nicht massiert werden. Bei stärkeren muskulären Beschwerden ist eine professionelle Behandlung angesagt, da eine ausschließliche manuelle Behandlung in der Beschwerderegion meist nicht ausreicht. Die Einbeziehung der gesamten kinetischen Muskelkette im Sinne des Ganzheitsprinzips ist bei der Behandlung zu berücksichtigen. Zur prophylaktischen und trainingsbegleitenden Behandlung der Muskulatur sind elektrische Massagegeräte, Massageroller und Unterwassermassage sowie allgemeine Maßnahmen wie warme Bäder, Fango und Sauna geeignet.

Prof. Dr. Kuno Hottenrott
Martin-Luther-Universität Halle-WittenbergInstitut für Sportwissenschaft