Meldungen vom plötzlichen Tod eines Leistungssportlers beunruhigen viele Aktive. Fast immer ist nicht die sportliche Belastung selbst, sondern eine bis dahin unbekannte oder ignorierte Erkrankung die eigentliche Ursache solcher Zwischenfälle. Angeborene Erkrankungen des Herzens wie die sogenannte Kardiomyopathie, Fehlanlagen der Herzkranzgefäße oder die Folgen einer Herzmuskelentzündung sind die Hauptursachen bei Sportlern unter 35.
Bei den über 35-Jährigen führt die koronare Herzerkrankung (arteriosklerotische Verengung der Herzkranzgefäße) die Statistiken des plötzlichen Todes im Sport an. Das Risiko nimmt mit dem Alter zu, Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Mit Hilfe sportmedizinischer Untersuchungen können solche Erkrankungen im Vorfeld erkannt und Sportler hinsichtlich ihres Risikos entsprechend beraten werden.

Junge Leistungssportler (≤ 35 Jahre), die an Wettkämpfen teilnehmen

Bei Kindern unter 12 bis 14 Jahren genügt in der Regel eine Befragung (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung durch den Sportarzt. Finden sich dabei keine Auffälligkeiten, so können die Kinder ihren Sport ohne Belastungseinschränkung ausüben.
Für junge Sportler von der Pubertät (ca. 14 Jahre) bis 35 Jahren empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie folgendes Check-up-Programm im Abstand von mindestens 2 Jahren:

  • Befragung zu Erkrankungen Verwandter und zu eigenen Vorerkrankungen/Beschwerden
  • Gründliche körperliche sportärztliche Untersuchung inkl. Blutdruckmessung
  • Durchführung eines 12-Kanal-Ruhe-EKGs.

Wichtig ist ein Ruhe-EKG, da die häufigsten Erkrankungen, die in dieser Altersgruppe für einen plötzlichen Herztod verantwortlich sind, zu Veränderungen im Ruhe-EKG führen.
Weitergehende Untersuchungen, wie z. B. ein Belastungs-EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sind nur dann notwendig, wenn Auffälligkeiten festgestellt wurden.
Die anfallenden Kosten von ca. 50 Euro werden von den Krankenkassen nicht übernommen! Dies darf jedoch kein Grund sein, auf die Untersuchungen zu verzichten!

Ältere Sportler (> 35 Jahre), die leistungsorientiert trainieren und/oder an Wettkämpfen teilnehmen

Das Risiko eines plötzlichen Herztodes beim Sport steigt jenseits der 35 Jahre mit zunehmendem Alter an (bei bekannter koronarer Herzerkrankung erhöht es sich sogar um den Faktor 100). Deshalb steht der Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung mittels Belastungs-EKG im Zentrum der sportärztlichen Untersuchung für diese Altersgruppe. Diese lässt sich optimal mit der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung kombinieren, die die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten alle zwei Jahre ermöglichen und die folgenden Leistungen beinhaltet:

  • Befragung mit Erstellung eines kardiovaskulären Risikoprofils (Tab. 1)
  • Ganzkörperliche Untersuchung (inkl. Ruheblutdruckmessung)
  • Blut- (Zucker und Cholesterin) und Urinuntersuchung

Tab. 1: Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung

Familiengeschichte: Herzinfarkt, Aufdehnung der Koronararterien, Herz-Operation oder plötzlicher Herztod bei
Familienangehörigen ersten Grades (Eltern, Geschwister, Männer vor dem 55. Lebensjahr, Frauen vor dem
65. Lebensjahr).

Raucher oder Ex-Raucher, die bis vor einem halben Jahr geraucht haben.

Bluthochdruck ≥ 140/90 mm Hg, durch mindestens 2 voneinander unabhängige Messungen bestätigt.

Laborwerte: Gesamtcholesterin > 200 mg/dl oder HDL < 35 mg/dl oder LDI > 130 mg/dl oder Triglyceride
> 200 mg/dl oder Einnahme von Medikamenten, die das Cholesterin senken. Nüchtern Blutzuckerwert
≥ 110 mg/dl, durch mindestens 2 voneinander unabhängige Messungen bestätigt (oder 2-Stundenwert
im Zucker-Belastungstest von über 140 mg/dl), Homocysteinwert > 10 µmol/l.

Übergewicht: BMI ≥ 30 kg/m2 (= Körpergewicht in kg: Körperhöhe in m zum Quadrat oder Taillenumfang
> 102 cm (Männer) oder > 88 cm (Frauen).

Körperlich inaktiv: überwiegend sitzender Beruf + keine Freizeitaktivität mit körperlicher Betätigung innerhalb
der vergangenen Woche.

Nicht von den Kassen übernommen, aber zusätzlich empfohlen:

  • Ruhe-EKG (unbedingt empfohlen!)
  • Belastungs-EKG mit Belastungsblutdruckmessung (Fahrradergometer oder Laufband)
  • Weitere Laborparameter (Blutbild, Leberwerte, Blutfette, Nierenwerte, Elektrolyte, Homocystein).

Folgende Personen sollten in jedem Fall ein Belastungs-EKG vor der Sportaufnahme durchführen lassen:

  • Alle Männer über 45 Jahre und alle Frauen über 55 Jahre
  • Alle Menschen mit zwei oder mehr KHK-Risikofaktoren (Tabelle 1).
  • Alle Menschen mit mindestens einem Symptom für eine KHK (Tabelle 2).
  • Alle Menschen mit bereits bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- und Stoffwechselerkrankungen, die sich sportlich aktiv belasten wollen.

Tab. 2: Symptome, die den Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung lenken

Schmerz/Druck/Engegefühl in Brust/Hals/Kiefer/Armen oder anderen Arealen in Ruhe oder bei körperlicher
Belastung

Kurzatmigkeit in Ruhe oder bei geringer Belastung

Schwindel oder „Schwarz werden vor Augen“ mit kurzer Bewusstlosigkeit

Luftnot in Rückenlage beim Flachliegen oder anfallsweise nächtliche Luftnot

Geschwollene Knöchel (beide Knöchel) vor allem abends

Schmerzen in Waden und/oder Oberschenkeln beim Laufen, die beim Stehenbleiben nach einigen Minuten
abklingen und beim Weitergehen wieder auftreten

Bekanntes Herzgeräusch oder Herzklappenfehler

Außergewöhnliche Leistungsminderung oder Kurzatmigkeit bei sonst gewohnten Aktivitäten

Dr. med. Jürgen Zapf
ZaGoMed – Gesellschaft für präventive Gesundheitsleistungen und Sportmedizin
Bayreuth