Wie Schmerz entsteht und warum wir ihn brauchen

Ohne sie könnten wir uns nicht bewegen, nicht riechen, schmecken, fühlen oder denken. Sie sorgen dafür, dass wir wissen, wann das Badewasser zu kalt oder zu heiß ist. Die Rede ist von den Nervenzellen (Neuronen). Hunderte Milliarden dieser hochsensiblen Zellen steuern die Signalübertragung in unserem Körper. Es gibt viele unterschiedliche Arten von Nervenzellen, die auf verschiedene Aufgaben spezialisiert sind. Die Nozizeptoren beispielsweise sind die so genannten „Schmerzsinneszellen“. Sie weisen den Körper als eine Art „Frühwarnsystem“ auf potentiell schädliche Einflüsse hin. Daher kommt auch der Name Nozizeptor - er setzt sich aus den beiden lateinischen Wörtern Nocivus (schädlich) und acceptor (Empfänger) zusammen. Diese Schmerzsinneszellen liegen als freie Nervenendigungen in Haut, Organen und Muskeln. Wenn wir mit dem kleinen Zeh gegen die Bettkante stoßen (mechanischer Reiz), werden sie aktiviert. Aber auch andere von außen auf den Körper einwirkende Reize wie thermische Reize (Hitze, Kälte), chemische Reize (Säuren, Gifte) oder elektrische Reize stimulieren diese Nervenzellen. Ebenso können sie durch körpereigene „Schmerzstoffe“ (Schmerzmediatoren wie das Gewebshormon Prostaglandin) angeregt werden. Die Schmerzsignale werden dann mithilfe bioelektrischer oder chemischer Botenstoffe (Neurotransmitter) über die schnell leitenden, markhaltigen A-delta-Fasern (bis zu 120 m/s) und die langsam leitenden, marklosen C-Fasern („nur“ max. 2 m/s) zum Rückenmark transportiert. Letzteres bildet zusammen mit dem Gehirn das Zentralnervensystem (ZNS). Dort werden die Reize verarbeitet und interpretiert. An diesem Prozess sind auch unterschiedliche Hirnareale beteiligt: Im Thalamus werden die Signale gesammelt und weiter verteilt, das limbische System nimmt eine erste emotionale Bewertung des Schmerzes vor, der Hypothalamus (Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems) passt Körperreaktionen wie z. B. Atmung und Schweißbildung an die Situation an. Durch die Hypophyse werden Stresshormone ausgeschüttet. In der Großhirnrinde findet die bewusste Wahrnehmung sowie die rationale Bewertung des Schmerzes statt. Ob Schmerz wahrgenommen wird, wie stark dieser ist und wie lange er anhält, hängt also von diesen vielen, sich wechselseitig bedingenden Faktoren und Prozessen ab.

Aber, so unangenehm sie auch ist: Für den Organismus ist die Schmerzwahrnehmung überlebenswichtig. Denn der Schmerz sorgt dafür, dass wir lernen, nicht auf die heiße Herdplatte zu fassen. Doch Nerven können nicht nur Schmerzsignale weiterleiten, sie können auch selbst Schmerzen verursachen. In der Medizin spricht man dann von einer Neuralgie, also Nervenschmerzen. In diesem Beitrag erfahren Sie: Was sind Neuralgien und was kann man dagegen tun?

Neuralgie: Wenn Nerven schmerzen und Schmerzen nerven

Über 5 Mio. Menschen in Deutschland kennen diese plötzlich einschießenden, heftigen Schmerzattacken1. Sie können harmlos sein und nach einigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Mitunter bleiben sie auch bestehen und werden chronisch. Neuralgien breiten sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven aus, weshalb sie häufig auch nach ihrem Ausbreitungsgebiet benannt sind. Die Trigeminusneuralgie beispielsweise tritt im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus auf. Betroffene haben dann im Gesicht, zumeist auf einer Gesichtshälfte aus dem Nichts einsetzende, anhaltende Schmerzen. Die Ischialgie, im Volksmund oft auch „Ischias“ genannt, bezeichnet Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ischiadicus. Diese entstehen im Beinnerv durch die anhaltende Reizung der Nervenwurzel und strahlen oft vom Gesäß über die Oberschenkelrückseite in den Unterschenkel bis zum Fuß. Treten gleichzeitig auch Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, spricht man von einer Lumboischialgie. Zu unterscheiden ist diese von einer Lumbago oder auch „Hexenschuss": Starken, akuten Rückenschmerzen im Lendenbereich. Sie werden nicht durch eine Nervenreizung, sondern durch eingeklemmte oder gequetschte Nerven aufgrund verkrampfter Rückenmuskeln, Wirbelblockaden oder einen Bandscheibenvorfall sowie einer Bandscheibenvorwölbung verursacht. Die Post-Zoster-Neuralgie verdankt ihren Namen hingegen dem Varizella-Zoster-Virus. Es verursacht Herpes Zoster (Gürtelrose), eine Nervenentzündung, die wiederum den betroffenen Nerv nachhaltig schädigen kann.

Die anfallsartigen brennenden, stechend oder auch dumpfen Schmerzen (neuropathische Schmerzen) einer Neuralgie werden durch dauerhafte Reizung oder Schädigung von Nerven ausgelöst. Das unterscheidet sie von den nozizeptiven Schmerzen, die durch akute Reizung der Schmerzsinneszellen (Zeh an Bettkante) entstehen. Nervenschädigungen wiederum haben vielfältige Ursachen: Entzündungen, Viren, Diabetes mellitus, Operationen oder auch mechanische Einflüsse können das Nervengewebe zerstören. Doch auch wenn die Schädigung des Nervs bereits abgeheilt ist, können weiterhin Schmerzen auftreten. Der Grund hierfür ist: Nervenzellen lernen und können ein (Schmerz-)Gedächtnis bilden. Die Nerven sind dann derart überempfindlich, dass selbst schwache Schmerzreize oder psychische Reize wie Stress oder starke Emotionen genügen, um starke Schmerzen auszulösen. Ohnehin spielt die Psyche eine besondere Rolle bei der Wahrnehmung von Schmerzen. Das Gehirn verarbeitet und speichert Schmerz besonders effizient, wenn dieser mit negativen Gefühlen (z. B. Angst, Trauer) einhergeht. Starke und insbesondere chronische Schmerzen stellen eine enorme Belastung für die Betroffenen dar, die sogar zu Depressionen führen kann. Die damit verbundenen negativen Emotionen können wiederum zu einem verstärkten Schmerzempfinden führen. Um diesen Teufelskreis zu verhindern, sollten Nervenschmerzen frühzeitig behandelt werden.

Schmerz lass nach: Wie erkennt man Neuralgien?

Viele Neuralgie-Betroffen quälen sich lange, bevor sie eine Diagnose erhalten. Denn weil sich Nervenschmerzen sehr unterschiedlich äußern, sind sie oft schwer zu erkennen. Für die Diagnose und zielgerichtete Behandlung benötigt der Arzt daher ein genaues Bild vom Charakter der Schmerzen. Wann treten sie auf, wo treten sie auf, wie lange dauern sie, wie stark sind sie? Außerdem muss er der Schmerzursache auf den Grund gehen. Wird der Schmerz durch innere Reize ausgelöst
(z. B. Entzündung) oder durch äußere Reize (z. B. Hitze, Druck)? Liegt dem Schmerz eine funktionelle Störung (z. B. Migräne aufgrund einer Durchblutungsfehlregulation im Gehirn), Fehlstellung bzw. -bildung zugrunde oder handelt es sich tatsächlich um Nervenschmerzen? Die nachfolgende Übersicht hilft dabei vorab die notwendigen Informationen für das Arztgespräch zusammen zu tragen. Auch ein Schmerzfragebogen kann zur Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Therapeut hilfreich sein. Vor allem bei chronischen Schmerzen wird neben dem Anamnesegespräch häufig auch noch eine Kernspintomographie, die so genannte Magnetresonanztomographie (MRT), eingesetzt, um sich ein Bild vom Zustand der Nerven zu machen.

Übersicht: Was der Arzt für die Schmerzdiagnose wissen muss

 
Eigenschaft Beschreibung
Schmerzdauer Seit wann tritt der Schmerz auf?
  • Akut: Schmerzen bestehen nur einige Stunden oder Tage
  • Chronisch: Schmerzen bestehen länger als 6 Monate
Schmerzqualität Wie fühlt sich der Schmerz an?
  • Affektiv: beschreibt die individuelle Bewertung des Schmerzes (z. B. "heftig", „zermürbend“, „lähmend“)
  • Sensorisch: beschreibt die eigentliche Schmerzwahrnehmung (z. B. "stechend", "reißend“, „pochend“, "brennend")
Schmerzlokalisation Wo tritt der Schmerz auf?
  • Kopf oder Gesicht
  • Hals-, Nacken-, Rückenbereich
  • Bauch
  • Hüfte
  • Extremitäten
  • Gelenke (Finger, Hand, Fuß, Knie)
  • Muskeln
  • Knochen
Schmerzumstände Wann tritt der Schmerz auf?
  • Ruheschmerz: tritt bereits bei körperlicher Ruhe auf
  • Belastungsschmerz: tritt bei körperlicher Anstrengung auf
  • Bewegungsschmerz: tritt sowohl bei aktiver als auch bei passiver Bewegung auf – es reicht schon eine leichte Bewegungsintensität ohne große Anstrengung
  • Durchbruchschmerz: tritt anfallsartig mit höchster Intensität auf
Schmerzauslösung Wodurch wird der Schmerz ausgelöst?
  • Loslassschmerz: wird durch Entlastung ausgelöst, nachdem Druck ausgeübt wurde
  • Klopfschmerz: wird durch Beklopfen eine Körperstelle ausgelöst
  • Druckschmerz: wird durch Berührung ausgelöst

Hilfe bei Neuralgien: 5 Dinge, die Sie bei Nervenschmerzen tun können

1. Für Entspannung sorgen
Bei starken Schmerzen wünschen wir uns nur eines: Dass der Schmerz nachlässt. Gerade bei muskulären Verspannungen kann die Anwendung von Wärme wahre Wunder bewirken. Ischiasbeschwerden lassen sich zum Beispiel durch wärmende Pflaster und Salben, ein Wärmekissen, einen Saunabesuch oder ein heißes Bad lindern. Das Abtauchen in der Badewanne tut auch der Seele gut. Die seelische Entspannung hilft dem Körper außerdem, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Damit der Rücken schön warm bleibt, sollten Sie auch auf die richtige Kleidung (lang und winddicht) achten. Ebenfalls wohltuend wirken Massagen durch fachkundige Hände: Sie lösen angespannte Muskeln und fördern die Durchblutung.

2. In Bewegung bleiben
Die Intensität von Nervenschmerzen verführt häufig dazu, sich zu schonen. Bewegung kann jedoch Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern. Da körperliche Aktivität positive Emotionen fördert, profitiert auch die Seele. Das wiederum aktiviert die Selbstheilungs-kräfte und verbessert die Lebensqualität. Beginnen Sie sanft: Ein Spaziergang, behutsame Deh-nungsübungen. Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie mit einem Arzt oder Physiotherapeuten. Gerade physiotherapeutische Maßnahmen können eine Schmerztherapie bei bestimmten Neuralgien sinnvoll unterstützen.

3. Den Geist anregen
Sich regen, bringt Segen: Das gilt für Körper und Geist. Besonders bei anhaltenden Schmerzzuständen passiert es schnell, dass der Schmerz unser ganzes Denken bestimmt. Beschäftigungen, die guttun und uns ein Stück herausfordern, helfen dabei vom Schmerz abzulenken. Das wiederum trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Also, was wollten Sie schon immer einmal ausprobieren? Auch die aktive Kontrolle der Gedanken, ist ein wichtiges Hilfsmittel für den Alltag mit Schmerzen. Achtsamkeit für die positiven Dinge des Lebens (die Sonne, ein Kinderlachen), die es abseits vom Schmerz gibt, können sehr heilsam sein.

4. Schmerzmittel verwenden
Viele Neuralgie-Patienten scheuen sich davor, zu Schmerzmitteln zu greifen. Sie befürchten Nebenwirkungen oder Abhängigkeit. Eine frühzeitige Behandlung des Nervenschmerzes ist jedoch notwendig und sinnvoll. Nur so kann eine Chronifizierung und damit die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses verhindert werden. Für die effektive und gut verträgliche Schmerzlinderung eignet sich z. B. ein homöopathisches Komplexmittel wie neuroLoges®. Die natürliche Schmerztherapie neuroLoges® enthält die einzigartige Dreierkombination aus Koloquinte (Colocynthis), Indianischem Wurmkraut (Spigelia anthelmia) und Gift-Sumach (Rhus toxicodendron). Damit wirkt es 3-fach stark bei allen Neuralgien. neuroLoges® führt nicht zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und ist daher bei starken Neuralgien auch mit anderen Schmerzmitteln kombinierbar.


 

1http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/patienten/Def_NeP.html