Dass die sexuelle Lust sich im Laufe verschiedener Lebens- und Beziehungsphasen verändert, ist ganz normal. Bleibt sie jedoch komplett aus, kann das sowohl auf persönlicher als auch auf partnerschaftlicher Ebene zur Belastung werden. Die gute Nachricht: Es gibt eine ganze Palette von Möglichkeiten, die Libido wieder aufflammen zu lassen.1
Was versteht man unter Libidoverlust?
Libidoverlust bedeutet, dass das sexuelle Verlangen stark nachlässt oder komplett verschwindet. Fachleute sprechen auch von einer sexuellen Luststörung oder einer hyposexuellen Störung. Zu einer behandlungsbedürftigen Störung wird der Libidoverlust aber erst dann, wenn er mindestens sechs Monate anhält und bei der betroffenen Person einen Leidensdruck verursacht. 1,2
Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann die Libido vorübergehend oder dauerhaft verloren gehen. Betroffen sind vor allem Frauen. Aber auch bis zu 20 Prozent aller Männer erleben im Laufe ihres Lebens einen Libidoverlust.3
Was sind die Ursachen von Libidoverlust?
Eine Reihe von körperlichen und psychischen Faktoren sowie Einflüsse von außen können dazu beitragen, dass die Lust abflacht oder komplett verschwindet. Nicht selten spielen mehrere Komponenten gleichzeitig eine Rolle. Zu den möglichen Ursachen von Libidoverlust gehören1:
- Partnerschaftsprobleme, zum Beispiel häufige Konflikte
- Stress und Krisen, zum Beispiel Existenzängste oder ein Trauerfall
- Körperliche Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion
- Hormonelle Störungen und Veränderungen, zum Beispiel Testosteronmangel bei Männern oder Östrogenmangel bei Frauen
- Psychische Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen, Ängste und Traumata
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel hormonelle Verhütungsmittel oder blutdrucksenkende Mittel
Hormone und Libidoverlust bei Frauen
In den Wechseljahren stellt sich der weibliche Hormonhaushalt um und der Östrogenspiegel fällt zeitweise rapide ab. Das kann nicht nur zu typischen Wechseljahresbeschwerden führen, sondern auch die Libido leidet häufig.
Auch während einer Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes ist der Körper starken hormonellen Veränderungen unterworfen. Zusammen mit eventuellen Geburtsverletzungen, Stress und Schlafmangel führt dies bei vielen Paaren zu einer sexuellen Flaute – das ist aber meistens vorübergehend.4
Eine verringerte Libido kann darüber hinaus mit anderen Formen der sexuellen Dysfunktion zusammenhängen. Bei Männern sind das zum Beispiel erektile Dysfunktion, vorzeitige oder verzögerte Ejakulation.5
Libido steigern: Was hilft bei fehlender Lust?
Bei Libidoverlust ist eine gute erste Anlaufstelle die hausärztliche Praxis, alternativ auch eine vertraute Fachärztin oder ein Facharzt (zum Beispiel die Frauenärztin). Wichtig ist, zunächst körperliche Ursachen für den Libidoverlust auszuschließen und mögliche Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine hormonelle Störung richtig zu behandeln. Die Ärztin oder der Arzt berät auch dabei, ob sich Medikamente umstellen lassen, die sich möglicherweise negativ auf die Libido auswirken (zum Beispiel Antidepressiva, Blutdrucksenker oder hormonelle Verhütungsmittel). Eventuell erhalten Sie auch eine Überweisung in eine Fachpraxis, die zum Beispiel auf hormonelle Erkrankungen spezialisiert ist.4
Manchmal helfen schon einfache Maßnahmen, um die körperliche und seelische Gesundheit zu stärken und die Libido wieder zu wecken:
- Stressmanagement: Stress ist einer der wichtigsten Lustkiller. Versuchen Sie, die Anspannung aus dem Alltag herauszunehmen. Überlegen Sie, ob Sie sich besser strukturieren oder Aufgaben abgeben können. Auch entspannende Tätigkeiten wie Autogenes Training, Yoga, Qigong oder einfach ein Spaziergang können helfen.
- Kommunikation: Libidoverlust ist oft mit Scham, Selbstzweifeln oder stummen Vorwürfen verbunden. Das kann die Partnerschaft noch mehr belasten als die sexuelle Flaute selbst. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner. Manchmal ist auch eine Paartherapie hilfreich, um gemeinsam einen Weg zu finden.
- Bewegung: Mit Sport lassen sich nicht nur Muskelkraft und Ausdauer, sondern auch die Libido steigern. Regelmäßige körperliche Betätigung unterstützt unter anderem eine gute Durchblutung, ein intaktes Hormonsystem und das seelische Wohlbefinden. Dies kann ein wichtiger Schlüssel zu mehr Libido sein.
- Alkohol- und Drogenverzicht: Alkohol, Nikotin und diverse andere Drogen haben weitreichende Folgen für den gesamten Körper und können auch die Libido negativ beeinflussen. Hier gilt: So wenig wie möglich!
- Neue Impulse: Manchmal sind es die banalen Aufgaben und Streitereien im Alltag, die die Partnerschaft belasten und jede Lust im Keim ersticken. Versuchen Sie, einander noch einmal neu und unbelastet kennenzulernen und Ihre Lust zu entdecken. Dabei helfen kann zum Beispiel ein gemeinsamer Kurzurlaub – am besten ohne Verpflichtungen (wie kochen und putzen) und nach Möglichkeit auch ohne Kinder.2
Darüber hinaus gibt es in vielen Völkern eine lange Tradition in der Anwendung von Heilpflanzen, die bei Männern und Frauen die Libido steigern können. Bei einigen davon sind die möglichen Wirkmechanismen inzwischen erforscht und sie kommen bis heute zum Einsatz; darunter Ginseng, Maca und Ashwagandha.6
Ein bewährtes pflanzliches Mittel bei Libidoverlust sind darüber hinaus Extrakte der Heilpflanze Damiana (Turnera diffusa). Die ersten Aufzeichnungen über ihre Lust-steigernden Eigenschaften stammen bereits aus dem Jahr 1699 von einem spanischen Missionar: Er berichtete, wie mexikanische Ureinwohner ein Getränk aus Damianablättern als Aphrodisiakum nutzten. Inzwischen haben Forschende einen Teil der Wirkmechanismen entschlüsselt. Ergebnisse einer klinischen Studie bestätigen, dass Damiana-Extrakte bei Libidoverlust helfen und den individuellen Leidensdruck verringern können.7,8