Der menschliche Körper ist von unzähligen Mikroorganismen besiedelt, die eine zentrale Rolle für die Gesundheit spielen. Sie befinden sich unter anderem im Mund, im Darm und auf der Haut. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen innerhalb einer Gemeinschaft wird als Mikrobiom bezeichnet. Je nach Körperregion spricht man vom Darmmikrobiom (Darmflora), Hautmikrobiom oder dem oralen Mikrobiom. Gerät dieses aus dem Gleichgewicht, also verändert sich die Zusammensetzung der Mikroorganismen so, dass ihre Funktion beeinträchtigt ist, sprechen Fachleute von einer sogenannten Dysbiose. Diese kann weitreichende Folgen für den gesamten Organismus haben.1,2,3,4
Was ist Dysbiose?
Unter Dysbiose verstehen Ärzte und Ärztinnen ein Ungleichgewicht von Mikroorganismen, die innerhalb einer Gemeinschaft zusammenwirken. In der Regel bezieht sich der Begriff auf eine Dysbalance des Darmmikrobioms. Denn hier befindet sich die größte Gemeinschaft an Bakterien, Viren und Pilzen. Dieses komplexe Ökosystem beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem und sogar die Stimmung, weil im Darm Hormone produziert werden.4
Ein gesundes Darmmikrobiom zeichnet sich durch eine große Vielfalt an nützlichen Mikroorganismen aus, die den Stoffwechsel und das körpereigene Abwehrsystem unterstützen und das Eindringen von Infektionserregern verhindern. Auf der anderen Seite beherbergt der Darm potenziell schädlichen Mikroorganismen. Sie bereiten erstmal keine Probleme. Gerät die Zusammensetzung des Mikrobioms in einer Schieflage, kann sich das jedoch ändern.4,5
Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät, zum Beispiel weil wichtige, nützliche Bakterien fehlen, kann das die Abwehr im Darm durcheinanderbringen. Dann arbeitet das Immunsystem nicht mehr optimal: Es reagiert stärker auf harmlose Stoffe und ist gleichzeitig schlechter darin, die Schleimhäute zu schützen. Dadurch steigt das Risiko für Allergien, Infektionen und chronische Entzündungen im Darm.4,6
Welche Ursachen gibt es für eine Dysbiose?
Das Darmmikrobiom ist zwar relativ widerstandsfähig, doch starke oder wiederkehrende Belastungen können langfristig zu einer Funktionsstörung führen.
Dazu zählen unter anderen:4,7,5
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel wie zum Beispiel Antibiotika töten meist nicht nur schädliche Mikroorganismen, sondern beeinträchtigen auch nützliche Bakterien, wodurch das Gleichgewicht der Darmflora gestört werden kann.
- Einseitige Ernährung: Lebensmittel, die reich an Zucker und ungesunden Fetten und zugleich arm an Ballaststoffen sind, begünstigen das Wachstum schädlicher Bakterien und schwächen nützliche Mikroorganismen.
- Stress: Wenn der Körper ständig unter Strom steht, wirkt sich das negativ auf das Mikrobiom und damit auf das Immunsystem aus.
- Umweltbelastungen: Schadstoffe und Umweltgifte haben ebenfalls das Potenzial, bestimmte Mikroorganismen zu schädigen.
- Ungesunder Lebensstil: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel beeinflussen das Mikrobiom negativ und erhöhen das Risiko einer Dysbiose.
Diese Faktoren können einzeln und besonders in Kombination das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora stören und damit das Risiko für bestimmte Erkrankungen deutlich erhöhen.
Was sind Symptome einer Dysbiose?
Eine gestörte Darmflora kann sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen. Typische Anzeichen sind:
- Verdauungsprobleme: Wiederkehrende Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung sind mögliche Hinweise auf eine Dysbiose.4
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Da ein großer Teil des Immunsystems im Darm angesiedelt ist, kann eine Dysbiose die Abwehrkräfte schwächen und Infektionen begünstigen.6
- Müdigkeit und Erschöpfung: Ein Ungleichgewicht der Darmflora wirkt sich oft auf das Energielevel aus und führt zu anhaltender Müdigkeit.7,8
- Allergien und Hautreaktionen: Veränderungen im Mikrobiom können das Immunsystem fehlleiten, sodass allergische Reaktionen oder Hautprobleme wahrscheinlicher werden.9
- Krankheiten: Eine anhaltende Dysbiose kann womöglich das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Probleme oder Harnsteinerkrankungen erhöhen.10
Da Dysbiose viele verschiedene unspezifische Symptome hervorrufen kann, ist es wichtig, auffällige Veränderungen im Körper ernst zu nehmen und gegebenenfalls ärztlichen Rat einzuholen. Eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Unterstützung des Mikrobioms helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen und Beschwerden zu lindern.
Wie lässt sich einer Dysbiose vorbeugen?
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Darmmikrobiom aufzubauen und einer Dysbiose vorzubeugen oder sie zu behandeln.
Ausgewogene Ernährung
Eine ballaststoffreiche Ernährung bildet die Grundlage für ein gesundes Mikrobiom. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte liefern wichtige Nährstoffe, die nützliche Darmbakterien benötigen.5
Probiotika
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die das Darmmikrobiom positiv beeinflussen können. Sie kommen unter anderem in fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt oder Sauerkraut vor. Besonders interessant ist der Stamm Bacillus subtilis, dessen stabile Sporen wie ein Schutzschild gegen die Magensäure wirken, sodass die Bakterien lebend den Darm erreichen und die Darmflora unterstützen können.5, 11, 12
Milchsäurebakterien und Bacillus subtilis
Milchsäurebakterien unterstützen das Darmmilieu, indem sie Kohlenhydrate zu Milchsäure umwandeln und damit ein leicht saures Umfeld schaffen, das das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördert. Sie tragen so zu einem stabilen Gleichgewicht der Darmflora bei – vorausgesetzt, sie erreichen den Darm in ausreichender Menge.
Bacillus subtilis hingegen unterstützt den Darm auf ganz andere Weise: Als sporenbildender Bakterienstamm ist er außergewöhnlich widerstandsfähig und übersteht die Magenpassage nahezu unbeschadet. Im Darm kann er sich aktiv vermehren, potenziell schädliche Keime verdrängen und die Verdauung durch die Produktion unterstützender Enzyme fördern.14
Präbiotika
Präbiotika sind unverdauliche Ballaststoffe, die in Lebensmitteln wie Gemüse, Zwiebeln, Spargel oder Lauch vorkommen. Sie unterstützen das Wachstum der nützlichen Mikroorganismen und damit die Darmgesundheit.11
Stressmanagement
Stress wirkt sich auf das Darmmikrobiom aus und kann das Gleichgewicht empfindlich stören. Maßnahmen zur Stressreduktion wie Bewegung, Entspannungsübungen und regelmäßige Auszeiten sind daher wichtig, um die Darmgesundheit langfristig zu fördern.3,15
Langfristige Unterstützung
Nach der Einnahme von Antibiotika oder nach wiederholten Infekten ist es besonders wichtig, das Mikrobiom gezielt zu unterstützen. Eine Kombination aus ausgewogener Ernährung, Präbiotika, Probiotika hilft, die Darmflora wieder aufzubauen. Lass dich dafür ärztlich beraten.
Zusammenfassung
Eine Dysbiose zeigt, wie empfindlich das Zusammenspiel der Mikroorganismen ist, die sich in unserem Darm oder auf der Haut befinden. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, kann sich das auf den ganzen Körper auswirken. Probiotika unterstützen dabei, die Darmflora wieder ins Lot zu bringen, fördern eine gesunde Verdauung und stärken die Abwehrkräfte. In Kombination mit präbiotischer Ernährung, einem guten Stressmanagement und einer gesunden Lebensweise lässt sich das Darmmikrobiom nachhaltig stärken und die Grundlage für ein starkes Immunsystem schaffen.