Was ist Durchfall?
Von Durchfall spricht man, wenn der Stuhl innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal dünn oder wässrig ist. Das passiert, wenn im Darm die Aufnahme von Wasser und Salzen gestört ist und/oder wenn es im Körper zu einer verstärkten Abgabe von Wasser und Salzen kommt. Auch veränderte Bewegungen des Darms können Durchfall auslösen.
Typische Symptome sind neben häufigem Stuhldrang Blähungen, Krämpfe und allgemeines Unwohlsein. Häufig sind Infektionen mit Krankheitserregern die Ursache. Treten Durchfall und andere Verdauungsprobleme über einen längeren Zeitraum immer wieder auf, kann das ein Anzeichen für ein gestörtes Darmgleichgewicht sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.1,2,3
Der Darm – ein empfindliches Ökosystem
Der Darm beherbergt ein komplexes Ökosystem aus einer Vielzahl von Mikroorganismen – das sogenannte Darmmikrobiom. In einem gesunden Darmmikrobiom überwiegen die nützlichen Mikroorganismen. Sie unterstützen nicht nur den Stoffwechsel, die Verdauung und die körpereigenen Abwehrkräfte, sondern verhindern auch, dass Krankheitserreger eindringen beziehungsweise sich vermehren können.
Mitunter gerät das Gleichgewicht der im Darm lebenden Mikroorganismen außer Balance. Das kann die Funktionsfähigkeit des Immunsystems beeinflussen. Eine mögliche Folge: Es reagiert häufiger auf eigentlich harmlose Substanzen und macht die Darmschleimhaut anfälliger für Krankheitserreger. Dadurch steigt wiederum das Risiko für Infektionen und Erkrankungen wie, Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).3,4,5
Die Ursachen von Durchfall
Es gibt verschiedene mögliche Ursachen von Durchfall. Oft sind Infektionen mit Krankheitserregern die Auslöser. Durch Durchfall und Erbrechen versucht der Körper, die schädlichen Keime möglichst schnell wieder loszuwerden. Aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom, CED, ungewohntes Essen auf Reisen sowie Medikamente – besonders Antibiotika – können zu Durchfall führen.2
Durchfall nach Antibiotika
Antibiotika töten nicht nur eine Vielzahl unerwünschter Krankheitserreger ab, sondern auch viele der nützlichen Bakterien im Darm. Das kann die Zusammensetzung des Darmmikrobioms negativ verändern. Das kann unter anderem zu folgenden Problemen führen:
- mangelhafte Aufnahme von Kohlenhydraten und Gallensäuren durch den Darm,
- Beeinträchtigung der Darmschleimhaut,
- veränderte Bewegungsfähigkeit des Darms sowie
- eine starke Vermehrung von Krankheitserregern im Darm.
Das alles kann zu einer sogenannten Antibiotika-assoziierten Diarrhoe (AAD), also einem antibiotikainduzierten Durchfall führen. Die AAD kann wenige Stunden bis acht Wochen nach der Einnahme von Antibiotika auftreten.6
Durchfall nach Antibiotika: Was der Darm jetzt braucht
Ist das Darmmikrobiom nach einer Antibiotikabehandlung aus dem Gleichgewicht, ist es wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern den Darm gezielt zu stabilisieren und zu regenerieren. Der Wiederaufbau des empfindlichen Ökosystems im Darm erfordert ein wenig Geduld, Zeit und die richtige Unterstützung. In der akuten Phase hilft es, auf leicht verdauliche und ballaststoffarme Nahrungsmittel wie Reis, Bananen oder Zwieback zu setzen, die den Darm nicht zusätzlich belasten. Auch gezuckerter Tee mit etwas Salzgebäck ist gut, denn dadurch können dem Körper verlorengegangene Flüssigkeit und Salze wieder zugeführt werden.2
Nach der akuten Phase können fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir oder milchsauer vergorenes Gemüse sinnvoll sein. Sie beinhalten Bakterienkulturen, die auch im Darmmikrobiom vorkommen. Außerdem dienen Ballaststoffe (z. B. aus Vollkorngetreide, Obst oder Gemüse) als „Futter” für nützliche Mikroorganismen. Frisches Obst und Gemüse liefert zudem wichtige Pflanzenstoffe, die schützende Darmbewohner fördern.3,4
Probiotika nach Antibiotika
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die einen positive Wirkung auf den Darm und die Gesundheit haben, wenn sie in ausreichender Menge aufgenommen werden. Sie können zum Beispiel
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die Vermehrung von Krankheitserregern hemmen,
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die Darmschleimhaut stärken,
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das Immunsystem im Darm unterstützen und
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den pH-Wert herabsetzen und dadurch das Darmmillieu verbessern.4,12
Zu den bekanntesten Probiotika gehören Milchsäurebakterien wie Lactobacillus oder Bifidobacterium. Der Nachteil dieser Bakterienkulturen ist, dass sie nicht vollständig im Darm ankommen, wenn man sie einnimmt. Denn das saure Milieu im Magen tötet einen Teil davon ab.4,12
Sporenbildende Probiotika als gezielte Lösung
Einige Bakterien bilden sogenannte Endosporen, um ungünstige Lebensbedingungen zu überdauern. Im Inneren der Sporen ist das empfindliche Erbgut der Mikroorganismen vor Einflüssen wie Hitze, Nahrungsmangel oder Trockenheit gut geschützt. Sind die äußeren Bedingungen wieder besser, werden die Sporen aktiviert und bilden neue Bakterien, die sich vermehren können.7 Diese Eigenschaft ist auch von Vorteil für die Anwendung als Probiotika. Denn die Sporen überleben die Magensäure und kommen so problemlos im Darm an.
Gut untersucht für den Einsatz als Probiotikum sind vor allem Bakterien der Gattung Bacillus und hier besonders der Vertreter Bacillus subtilis.8 Die Einnahme von Probiotika ist bereits ab dem ersten Tag einer Antibiotikatherapie sinnvoll. Es gibt Hinweise darauf, dass damit eine Vermehrung von ungünstigen Mikroorganismen im Darm verhindert werden kann.9
Der Darm ist ein Teil des Immunsystems
Rund 70 Prozent der Immunzellen des Menschen befinden sich im Darm, genauer gesagt in der Darmschleimhaut. Der Darm ist damit das größte Immunorgan des Körpers. Fachleute sprechen auch vom darmassoziierten Immunsystem. Für seine Funktion ist auch das Darmmikrobiom wichtig. Stören Antibiotika die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen, kann das nicht nur den Stuhlgang beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf die Immunabwehr haben.11