Belastende Lebenssituationen und Ereignisse können dazu führen, dass unser inneres Gleichgewicht aus den Fugen gerät: anstehende Prüfungen, eine Scheidung oder Zukunftssorgen sind klassische Auslöser von Nervosität und innerer Unruhe. Doch was, wenn die Anspannung gar nicht mehr nachlässt?

Gelassen im Alltag: Tipps gegen innere Unruhe und Nervosität

“Entspann dich doch mal!” Das sagt sich leicht, ist für viele Menschen aber schwierig umzusetzen. Ist der Kopf voller Gedanken, Sorgen und To-do-Listen, begleitet viele ein Gefühl von Nervosität und innerer Unruhe durch den Tag – und nicht selten bis abends ins Bett, wo das Gedankenkarussell sie wach hält. Der zunehmend schnelllebige Alltag und eine ständige Erreichbarkeit verstärken diese Effekte. Umso wichtiger ist es, durch kurzfristige Strategien und langfristige Routinen für innere Ruhe zu sorgen, denn dauerhafter Stress und Unruhe können in behandlungsbedürftige Ängste und Depressionen münden.1

Welche Ursachen kann innere Unruhe haben?

Bei innerer Unruhe ist der Körper anhaltend in Anspannung und Erregung. Dies kann verschiedene Ursachen haben:2

  • äußere Faktoren, zum Beispiel eine anstehende Prüfung, beruflicher Stress, ein Umzug oder eine Trennung
  • konsumierte Substanzen oder deren Entzug, zum Beispiel Kaffee, Tabak, Alkohol, bestimmte Medikamente oder Drogen
  • körperliche Ursachen, zum Beispiel niedriger Blutdruck, Unterzuckerung oder die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren
  • bestehende psychische und neurologische Probleme, zum Beispiel Angststörungen, Depressionen, Demenzerkrankungen

Wenn es keine eindeutige äußere Ursache für die innere Unruhe gibt, empfiehlt sich daher ein Besuch in der hausärztlichen Praxis. Die Ärztin oder der Arzt kann abklären, ob es bei dir Hinweise auf eine körperliche oder psychische Erkrankung gibt, die hinter Nervosität und Unruhe stehen.2

Was sind Symptome für innere Unruhe?

Die Anzeichen für innere Unruhe können von Person zu Person unterschiedlich sein. Während manche den ganzen Tag “unter Strom” stehen, dafür dann aber abends binnen weniger Minuten erschöpft einschlafen, quälen andere Nacht für Nacht kreisende Gedanken. Der Schlaf ist bei verschiedenen Menschen unterschiedlich anfällig für Stress und innere Anspannung. Insofern sind Ein- und Durchschlafstörungen typisch, müssen aber nicht zwingend auftreten.3

 

Gemeinsam ist allen Betroffenen die Schwierigkeit, sich zu entspannen. Bei manchen löst die innere Unruhe auch Angstgefühle aus, was die Anspannung weiter verstärkt. Darüber hinaus lassen sich auch einige körperliche Symptome mit innerer Unruhe in Verbindung bringen:2

 

  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Zittern und unruhige Hände
  • Schweißausbrüche
  • Benommenheit
  • Schwächegefühl

Was tun gegen innere Unruhe und Nervosität?

Um innerer Unruhe und Nervosität entgegenzutreten, ist es zunächst wichtig, die Ursachen zu identifizieren und nach Möglichkeit zu beheben. Oft sorgt ein zu vollgepackter Arbeits- oder Familien-Alltag mit vielen kleinen und großen Aufgaben, Erledigungen und Verantwortlichkeiten für eine dauerhafte innere Anspannung. In diesem Fall sind Maßnahmen zur Strukturierung und zum Management hilfreich: Schreibe detaillierte To-do-Listen, priorisiere deine Aufgaben und überlege, welche du möglicherweise abgeben oder loslassen kannst. Plane für Aufgaben feste Zeitblöcke ein – und vergiss dabei auch die Pausen nicht!4

 

Eine weitere wichtige Grundlage ist, dass du ausreichend schläfst. Ideal ist ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus – auch am Wochenende. Verbanne Fernseher, Handy und Tablet am besten aus dem Schlafzimmer und sorge stattdessen für eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung. Wenn du versuchst, Müdigkeit und Unkonzentriertheit mit Koffein zu bekämpfen, kann das die innere Unruhe noch verstärken.5  ast du den Verdacht, dass eine körperliche Ursache bestehen könnte, gilt es, umgehend ärztliche Hilfe zu suchen.

Ruhig und klar durch Achtsamkeit und Meditation

Seit Tausenden von Jahren ist Meditation ein fester Bestandteil verschiedener asiatischer Kulturen. Auch in den westlichen Industrienationen hingegen finden Meditation und Achtsamkeit in den letzten Jahrzehnten immer mehr Anhänger. Achtsamkeit bedeutet einen Zustand des ruhigen Gewahrseins im gegenwärtigen Moment. Wichtig ist dabei, Inneres und Äußeres zu beobachten und anzunehmen – ohne es zu bewerten. Die Praxis der Meditation ist der bekannteste, aber nicht der einzige Weg. Auch Yoga, Tai Chi, Qi Gong und verschiedene Atemtechniken können die Achtsamkeit schulen.6

 

Inzwischen zeigt auch die Forschung: Achtsamkeit wirkt! Studien zufolge können Meditation und achtsamkeitsbasierte Therapien dabei helfen, innere Unruhe, Grübeln, Ängste und Stress zu reduzieren. Ganz nebenbei wirkt sich Achtsamkeit auch positiv auf das Arbeitsgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit aus.6 Kurse für Meditation und Achtsamkeit gibt es online und vor Ort in verschiedenen Instituten sowie spezialisierten Achtsamkeits- und Yoga-Zentren. Einige werden sogar von den verschiedenen Krankenkassen bezuschusst.

Wie Bewegung und Sport innere Unruhe auflösen

Dass der menschliche Körper nicht nur für Schreibtisch und Sofa geschaffen ist, merken manche Menschen an Rückenschmerzen, andere an innerer Unruhe. Sport und Bewegung sind ein effektiver Weg, um innere Anspannung abzubauen, Endorphine (“Glückshormone”) auszuschütten und den Fokus auf den eigenen Körper und in den gegenwärtigen Moment zu lenken.7

 

Dazu musst du nicht übermäßig sportlich sein. Beginne mit einer Aktivität, die dir Spaß macht: Gehe in der Natur spazieren oder wandern, schwimme Bahnen, tanze zu deiner Lieblingsmusik durchs Haus oder harke mit vollem Körpereinsatz das Laub im Garten. Optimal ist es, wenn du es schaffst, dich 20 bis 30 Minuten am Tag aktiv zu bewegen.8

Von Anspannung zu Entspannung: Progressive Muskelrelaxation

Bei innerer Unruhe und Nervosität ist es hilfreich, wenn du deine Muskulatur gezielt entspannen kannst. Zu den am besten untersuchten Entspannungsverfahren gehört die sogenannte Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson. Sie kommt zum Beispiel bei Migräne, Bluthochdruck, Schlaf- und Angststörungen zum Einsatz.9

 

Das Prinzip: Die anleitende Person bittet dich, dich auf eine bestimmte Muskelgruppe zu konzentrieren und sie für einige Sekunden fest anzuspannen (z. B. die Hände zu Fäusten ballen). Anschließend lass die Spannung gezielt los und können die Muskeln umso tiefer entspannen. Nach und nach gehe verschiedene Körperregionen und Muskelgruppen durch.9 Kurse für PMR und andere bewährte Entspannungsverfahren gibt es etwa an Volkshochschulen sowie direkt bei Fachpersonen (etwa aus der Psycho- oder Physiotherapie) mit einer qualifizierenden Weiterbildung.

Trägt die Ernährung zur inneren Ruhe bei?

Mehr innere Ruhe durch eine ausgewogene Ernährung – das geht! So sind bestimmte Nährstoffe (B-Vitamine, Vitamin C, Magnesium und Zink) wichtig für die Stressregulation durch die Botenstoffe im Gehirnstoffwechsel.10 Ein anhaltender Mangel kann Nervosität und Angstzustände begünstigen. Auch Omega-3-Fettsäuren, die sich vor allem in fettreichem Fisch finden, spielen eine entscheidende Rolle für die innere Gelassenheit. Im Idealfall decken sie alle wichtigen Nährstoffe über eine vielseitige, gesunde Ernährung mit vielen frischen Lebensmitteln ab.10

 

Eine oft unterschätzte Rolle spielt auch der Blutzuckerspiegel: Mit der Glukose im Blut schwankt nicht selten die Stimmung. Steigt etwa nach einem süßen Snack der Blutzuckerspiegel stark an und fällt danach wieder in den Keller, kann sich das in Anspannung, Ängstlichkeit, Sorgen und Gereiztheit äußern. Daher gilt nicht nur für Menschen mit Diabetes: Setze auf ausgewogene Mahlzeiten mit reichlich Ballaststoffen sowie gesunden Fett- und Eiweißquellen, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden.11 Kombiniere weiße Pasta zum Beispiel mit einer Linsen-Gemüse-Bolognese. Das hält dich nicht nur angenehm lange satt, sondern wirkt auch innerer Unruhe entgegen.

Soziale Unterstützung gegen innere Unruhe

Bei Nervosität und Stress neigen manche Menschen dazu, sich zurückzuziehen. Achte darauf, dass dies kein Dauerzustand wird – denn das Gegenteil ist oft viel hilfreicher. Gehe in Kontakt mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, die dir gut tun. Du kannst auch einem Verein beitreten oder ein Ehrenamt übernehmen. Das hilft, deine psychische Gesundheit nachhaltig zu stabilisieren und sorgt für ein verbessertes Wohlbefinden. Und: Auch gemeinsames Lachen ist gesund und wirkt Anspannung und Stress entgegen.7

 

Wenn du das Gefühl hast, der inneren Unruhe vollständig ausgeliefert zu sein oder wiederholt in Gefühle von Angst und Panik zu verfallen, suche dir umgehend professionelle psychotherapeutische Hilfe. Im ersten Schritt kannst du dich an deine hausärztliche Praxis oder eine Beratungsstelle in deiner Umgebung wenden.