Weißdorn hat eine jahrhundertealte Tradition als Heilpflanze für Herz und Wohlbefinden. Die ersten Erwähnungen gehen auf den griechischen Arzt Dioskurides im ersten Jahrhundert nach Christi zurück. Ab dem späten 19. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Erforschung des Weißdorns. Bis heute hat er einen zentralen Platz als pflanzliches Therapeutikum für das Herz und das Kreislaufsystem.1,2
Was ist Weißdorn?
Der Weißdorn (botanisch: Crataegus) gehört zur Familie der Rosengewächse und ist in Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Mal als dorniger Strauch, mal als knorriger kleiner Baum ist der Weißdorn vor allem an seinen zarten weißen Blüten im Frühjahr und den leuchtend roten Früchten im Herbst zu erkennen.2
Zu Arzneizwecken werden vor allem die frisch gepflückten Blüten und Blätter des Weißdorns zu Trockenextrakt verarbeitet. Als wichtigste Wirksubstanzen vermuten Forschende zwei Arten von sekundären Pflanzenstoffen: einerseits Flavonoide, andererseits bestimmte Gerbstoffe (sogenannte oligomere Procyanidine, kurz OPC).1
Herkunft des Namens
Der botanische Name Crataegus leitet sich vom griechischen Wort krataiós (= stark) ab, was sich auf das erstaunlich harte Holz des Weißdorns bezieht.2
Weißdorn: Welche Wirkung macht die Pflanze so besonders?
Die besondere Bedeutung des Weißdorns geht auf seine einzigartige Kombination von pflanzlichen Wirkstoffen zurück. Die enthaltenen Flavonoide und Procyanidine ergänzen sich mit ihrer regulierenden Wirkung auf das Herz und die Blutgefäße. Weißdorn-Extrakte kommen unter anderem zum Einsatz:1,3,4
- zur Unterstützung der Herzfunktion bei beginnender Herzschwäche (als ergänzende Therapie)
- zur sanften Regulation des Blutdrucks
- bei nervlichen Belastungen und Schlafstörungen
Wie wirkt Weißdorn auf das Herz?
Weißdorn kommt traditionell bei einer Reihe von Herzbeschwerden und zur Stärkung des alternden Herzens zum Einsatz. Als ergänzende Therapie bei Herzinsuffizienz konnten Weißdorn-Extrakte in klinischen Studien die körperliche Belastbarkeit verbessern und Symptome wie Atemnot lindern. Wie heute aus experimentellen Studien bekannt ist, kann Weißdorn unter anderem:5
- die Kontraktion des Herzmuskels kräftigen
- den Blutfluss in den Herzkranzgefäßen und im Herzmuskel steigern
- den Herzmuskel vor Sauerstoffmangel schützen
Wie beeinflusst Weißdorn den Blutdruck?
Viele der positiven Wirkungen von Weißdorn gehen vermutlich auf eine Regulation des Blutdrucks zurück. Eine wichtige Rolle spielt dabei womöglich die sich ergänzende Wirkung der Flavonoide und Procyanidine auf die sogenannten Endothelzellen, welche die Blutgefäße auskleiden. Forschende vermuten eine ganze Reihe von Mechanismen, über die Weißdorn den Blutdruck beeinflussen könnte:1,3
- über eine verbesserte Gefäßfunktion mit leicht gefäßerweiterndem Effekt
- über eine antioxidative Wirkung, welche die Gefäße vor Schäden durch freie Radikale schützt
- über positive Effekte auf den Gallensäure-Stoffwechsel und Entzündungsprozesse
Weißdorn: Wirkung auf Schlaf und innere Ruhe
Neben seiner unterstützenden Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System werden dem Weißdorn auch beruhigende und entspannende Eigenschaften zugeschrieben. Zum Teil ist Weißdorn-Extrakt daher in schlafanstoßenden pflanzlichen Arzneimitteln enthalten, oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Auch wenn Weißdorn für diesen Zweck seit vielen Jahren verwendet wird, stehen aussagekräftige Studien zu seiner Wirksamkeit bei Nervosität und Schlaflosigkeit bislang aus.4,6
Anwendung: Weißdorn Kapseln, Tabletten oder Tee?
Weißdorn ist in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, am häufigsten als:
- Weißdorn-Kapseln
- Weißdorn-Tabletten oder
- Weißdorn-Tee
Wichtig ist: Nur in pflanzlichen Arzneimitteln auf der Grundlage von sogenanntem quantifizierten Trockenextrakt ist eine gesicherte und gleichbleibende Menge der pflanzlichen Wirkstoffe enthalten. Dies gilt zum Beispiel nicht für Weißdorn-Tee aus dem Drogeriemarkt.1
Für eine optimale Wirksamkeit halten Sie sich an die angegebene Dosierung in der Packungsbeilage beziehungsweise an die ärztliche Empfehlung.
Weißdorn in der modernen Medizin
In der modernen Medizin wurde Weißdorn intensiv untersucht, insbesondere im Zusammenhang mit leichter Herzinsuffizienz. Während Forschende in neueren Studien die Wirksamkeit bei bestimmten schweren Formen der Herzschwäche differenziert betrachten, bleibt Weißdorn als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Sein Einsatz stützt sich vor allem auf langjährige Erfahrung und seine gute Verträglichkeit.4,7
Kann Weißdorn Nebenwirkungen haben?
Weißdorn-Präparate gelten im Allgemeinen als sehr gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel und Magen-Darm-Beschwerden sind selten und traten in Studien bei Kontrollgruppen mit einem Scheinmedikament zum Teil häufiger auf als unter einem “echten” Weißdorn-Präparat. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind derzeit nicht bekannt.8
Dennoch gilt: Suchen Sie bei Herzproblemen im ersten Schritt immer ärztliche Hilfe. Zudem ersetzt die Einnahme von Weißdorn keine ärztlich verordnete Therapie für Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck, sondern kann diese nur ergänzen.1