Beginnt eine Wunde, sich zu röten und schmerzhaft anzuschwellen, ist der Fall klar: Hier hat sich etwas entzündet. Aber was passiert da eigentlich im Körper? Und was hat es mit chronischen Entzündungen auf sich?
Was passiert bei einer Entzündung im Körper?
Eine Entzündung entsteht, wenn das Abwehrsystem des Körpers aktiv wird. Meist reagiert es damit auf eine Verletzung, eine Infektion oder schädliche Substanzen. Typischerweise äußert sich diese Reaktion durch fünf Entzündungszeichen:1
- Rötung
- Wärme
- Schwellung
- Schmerz
- Gestörte Funktion
An einer Entzündung sind zahlreiche Botenstoffe - sogenannte Entzündungsmediatoren - und Abwehrzellen des Immunsystems beteiligt. Erkennt der Körper eine Verletzung oder Infektion, sorgt zum Beispiel der Botenstoff Histamin dafür, dass die Blutgefäße rund um die betroffene Stelle weiter und durchlässiger für Abwehrzellen werden. Geschieht dies etwa in der Haut oder einer Schleimhaut, wird sie durch die vermehrte Durchblutung warm und rötet sich.2
Nun treten vermehrt Flüssigkeit und Abwehrzellen aus den Blutgefäßen - die Stelle rund um die Entzündung schwillt an. Die Entzündungsmediatoren reizen außerdem die Nervenenden, welche für die Schmerzwahrnehmung zuständig sind. Daher können entzündete Körperstellen schmerzen oder auf Berührung beziehungsweise Bewegungen empfindlicher reagieren. In der Folge ist auch die Funktion des Gewebes oder Organs beeinträchtigt: So kann etwa eine Entzündung im Knie die Beweglichkeit einschränken, eine Entzündung im Darm die Nährstoffaufnahme behindern.2,3
Wissensbox: Bronchitis, Gastritis und Co.
Die Endung “-itis” steht in der Medizin immer für entzündliche Prozesse, oft bezogen auf eine bestimmte Körperstelle. So ist eine Bronchitis eine Entzündung der Bronchien, eine Dermatitis eine Entzündung der Haut und Gastritis eine Entzündung der Magenschleimhaut.1
Akute oder chronische Entzündung?
Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwei Verläufe einer Entzündung im Körper:
- Akute Entzündung: Eine rasche Entzündung als Reaktion auf Gewebeschäden und Krankheitserreger ist zwar oft unangenehm, aber auch ein Zeichen für ein gesundes, aktives Immunsystem. Ist der Auslöser beseitigt, klingt die Entzündung ab und das betroffene Gewebe kann abheilen.1
- Chronische Entzündung: Manchmal jedoch bleibt eine Entzündung langfristig bestehen - zum Beispiel, weil das Immunsystem den Erreger nicht unter Kontrolle bekommt. Darüber hinaus gibt es entzündliche Autoimmun-Reaktionen, bei denen der Körper seine eigenen Zellen angreift. Eine solche chronische Entzündung kann das Gewebe auf Dauer (massiv) schädigen.1
Welche Ursachen haben chronische Entzündungen?
Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Erkrankungen mit chronischen Entzündungsprozessen, darunter:4
- Entzündungen des Darms, etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Entzündungen der Gelenke, zum Beispiel bei Rheumatoider Arthritis
- Entzündungen des Nervensystems, etwa bei Multiple Sklerose
- Entzündungen der Haut, zum Beispiel bei Neurodermitis oder Psoriasis
Auch viele andere Krankheiten bringen Forschende inzwischen mit anhaltenden Entzündungen in Verbindung, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Asthma und Alzheimer. Diese haben unterschiedliche Ursachen, von denen sich manche - wie Alter und genetische Veranlagung - nicht ändern lassen. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren für Entzündungen, die du selbst mit deinem Lebensstil beeinflussen kannst. Das funktioniert zum Beispiel über die richtige Ernährung, körperliche Aktivität und andere Entscheidungen, die du jeden Tag triffst.5
Wissensbox: Entzündung und Darmbakterien
Forschende haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Zusammenhänge zwischen den kleinen Organismen, die den menschlichen Darm besiedeln - dem sogenannten Mikrobiom - und chronischen Entzündungen festgestellt. Gerät das Mikrobiom aus der Balance, zum Beispiel durch Antibiotika oder eine ungünstige Ernährung, können entzündungsfördernde Bakterien die Oberhand gewinnen. Diese können dann zu entzündlichen Prozessen bei Erkrankungen wie Asthma, Rheuma oder Diabetes beitragen.6
Was kann ich selbst tun gegen Entzündungen?
Der beste Umgang mit einer Entzündung hängt davon ab, auf welche Ursache sie zurückgeht, welche Körperstelle betroffen ist und wie hoch das Risiko für Komplikationen ist. Kleinere, akute Entzündungen, etwa infolge einer Verletzung oder übermäßigen Belastung, kannst du behandeln, indem du
- die betreffende Körperstelle schonen
- die Entzündungsregion mit einem Kühlpack oder ähnlichem alle paar Stunden für 15-20 Minuten kühlen und
- Schnitt- und Schürfwunden sauber halten und sorgfältig behandeln.7
Kurkuma und Entzündung
Gute Nachrichten für Fans von Currys und Gewürzen: Curcumin - der Wirkstoff, welcher der Kurkuma-Wurzel ihre intensiv gelbe Farbe verleiht - kann sich positiv auf Entzündungen auswirken. Eine Übersichtsarbeit von 32 Studien bestätigt seine entzündungshemmende Wirkung.8
Darüber hinaus kannst du chronischen Entzündungen mit einem antientzündlichen Lebensstil gegensteuern. Folgende Maßnahmen helfen dabei:5
- Strebe ein möglichst gesundes Körpergewicht an. Zu viele Fettreserven - insbesondere das sogenannte Viszeralfett im Bauchbereich - sind mit insgesamt erhöhten Entzündungswerten verbunden.
- Bewege dich regelmäßig, am besten für mindestens 30 Minuten an mehreren Tagen pro Woche. Körperliche Aktivität hält nicht nur fit, sondern hilft auch dabei, Entzündungswerte zu senken.
- Achte bei deiner Ernährung auf die richtigen Fette: Transfette in Fertigprodukten und frittierten Speisen können chronische Entzündungen befeuern, während Omega-3-Fettsäuren - zum Beispiel in Fisch und Leinöl - antientzündlich wirken.
- Iss reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Damit nimmst du nicht nur viele potenziell entzündungshemmende Antioxidantien auf, sondern auch Ballaststoffe. Diese wiederum fördern nützliche Bakterien im Darm, die chronischen Entzündungen entgegenwirken können.
- Rauche nicht und beschränke deinen Ihren Alkoholkonsum. Andere Genussmittel wie Kaffee und grüner Tee können sich aufgrund der enthaltenen Antioxidantien sogar positiv auf Entzündungen auswirken.
- Achten auf ausreichend Ruhe und einen erholsamen Schlaf - so kann dein Körper sich gut regenerieren.
Wann sollte ich mit einer Entzündung zum Arzt?
Kleinere akute Entzündungen erfordern nicht unbedingt eine Behandlung. Eine ärztliche Abklärung ist allerdings wichtig bei:7,9
- Wunden, die nicht heilen wollen
- anhaltenden Schmerzen, Schwellungen und Funktionseinschränkungen
- Anzeichen einer Blutvergiftung, zum Beispiel hohes Fieber, Schüttelfrost, Verwirrtheit und ein niedriger Blutdruck
Bei chronischen Entzündungen, etwa einer Entzündung im Knie, im Magen oder in den Schultern, wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt. Dieser kann auf Ursachensuche gehen und bei Bedarf entzündungshemmende Medikamente verschreiben. Auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel (wie Zink und verschiedene Vitamine) können bei einer Unterversorgung hilfreich sein, um die Immunabwehr zu unterstützen.7