Der Ischiasnerv – medizinisch Nervus ischiadicus – ist der längste und kräftigste Nerv im menschlichen Körper. Er setzt sich aus mehreren Nerven zusammen und verläuft vom unteren Rücken tief durch das Gesäß, zieht an Beinen entlang bis hinunter in die Unterschenkel und Füße. So steuert er wichtige Bewegungen und sorgt für die Reizweiterleitung in den Beinen.1
Im Alltag bleibt er in der Regel unbemerkt – bis Schmerzen auftreten. Ischiasschmerzen, die sich meist durch ein sehr unangenehmes Ziehen vom unteren Rücken aus bemerkbar machen, können die Betroffenen stark belasten. Umso wichtiger ist es, Beschwerden frühzeitig zu erkennen, gezielt zu behandeln und durch aktive Maßnahmen vorzubeugen.1
Was sind Ischiasschmerzen?
Der Ischiasnerv ermöglicht zusammen mit den Muskeln komplexe Bewegungsabläufe wie Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Aufrichten des Körpers. Gleichzeitig leitet er wichtige Empfindungen wie Temperatur, Schmerz oder Berührungen aus dem Bein an das Gehirn weiter. Wird dieser Nerv gereizt, eingeengt oder geschädigt, reagiert er sensibel und löst bei den Betroffenen einen intensiven Schmerz aus. Fachleute bezeichnen dieses Beschwerdebild als Ischialgie. Im Volksmund spricht man dagegen häufig von einem „eingeklemmten" Ischiasnerv. Genau genommen ist dieser jedoch nicht eingeklemmt. Vielmehr handelt es sich in der Regel um eine Reizung oder einen Druck auf den Nerv beziehungsweise seine Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbelsäule. Häufig übt eine vorgefallene Bandscheibe Druck aus, aber auch verspannte Muskeln oder entzündliche Prozesse können den Ischiasnerv irritieren. In der Folge sendet er starke Schmerzsignale – stechend oder ziehend oder brennend.2,3,4
Welche Symptome sind typisch bei Ischiasschmerzen?
Ischiasschmerzen beginnen im unteren Rücken und ziehen einseitig vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels. Mitunter reichen sie bis in den Unterschenkel oder sogar bis in die Zehen. Treten die Beschwerden gleichzeitig mit einem Hexenschuss auf, sprechen Fachleute von einer Lumboischialgie.1,3
Die Schmerzen beginnen plötzlich und sind so intensiv, dass selbst einfache Bewegungen schwerfallen. Die starken Beschwerden führen wiederum oft zu Muskelverspannungen entlang der Wirbelsäule. Dadurch nehmen Betroffene eine charakteristische Schonhaltung ein, bei der sie den Oberkörper leicht seitlich neigen, um den Ischiasnerv zu entlasten.
Neben dem ausstrahlenden Schmerz treten häufig weitere Begleiterscheinungen auf. Dazu zählen Empfindungsstörungen wie Taubheit, Kribbeln oder ein verändertes Wärme- und Kälteempfinden der Haut. Zudem können alltägliche Bewegungen und Reize wie Husten, Niesen oder spezielle Dehn- und Streckbewegungen die Schmerzen deutlich verstärken.
Im Gegensatz zu normalen Rückenschmerzen, die oft lokal begrenzt sind, strahlen Ischiasschmerzen typischerweise ins Bein aus und werden von den Betroffenen meist als besonders intensiv wahrgenommen.1,3
Hexenschuss
Der umgangssprachliche Ausdruck Hexenschuss beschreibt einen plötzlichen, heftigen Schmerz im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, der mit starken Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen einhergeht. Es kann zu kleinen Verschiebungen oder Blockaden der Wirbelgelenke kommen. Ausgelöst wird er häufig durch eine ungünstige Bewegung. Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für einen Hexenschuss, etwa Übergewicht, Verschleißerscheinungen, Arthrose, Bewegungsmangel und Stress.5
Welche Ursachen kommen für Ischiasschmerzen infrage?
Zu den häufigsten Auslösern bei Ischiasbeschwerden zählt der Bandscheibenvorfall. Dabei drückt austretendes Gewebe auf die Nervenwurzel und verursacht starke Schmerzen. Rund 80 Prozent aller Ischiasschmerzen lassen sich darauf zurückführen.
Neben Bandscheibenvorfällen können weitere Faktoren die Beschwerden auslösen, vor allem:
- Verschleiß und Fehlstellungen: Abnutzung der Bandscheiben oder Fehlhaltungen können Nerven einengen.
- Muskelverspannungen: Harte oder verspannte Muskeln im Rücken oder Gesäß können Druck auf den Nerv auslösen.
- Nervenreizung: Nässe, Erklärungen und kühle Zugluft können ebenfalls den Nerv reizen.
- Entzündungen: Infektionen wie Gürtelrose oder Borreliose können den Nerv direkt entzünden.
- Nervenschädigungen: Chronische Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma beeinträchtigen mitunter den Nerv.
- Verletzungen: Brüche, Verrenkungen oder Unfälle können den Nerv schädigen.
Allgemein fördern langes Sitzen, Bewegungsmangel und einseitige Belastungen Verspannungen und Fehlhaltungen, die wiederum womöglich Bandscheibenvorfälle und in der Folge Ischiasschmerzen auslösen.1,3,6
Was tun bei Ischiasschmerzen?
In den meisten Fällen bessern sich Isschiasschmerzen von selbst, da sich bei einem Bandscheibenvorfall das vorgefallene Gewebe mit der Zeit teilweise oder ganz zurückbildet. Der Druck auf den Nerv lässt dadurch nach. Das kann allerdings einige Wochen, manchmal auch Monate dauern. Geduld zu haben, ist daher wichtig.
Aufgrund der starken Schmerzen neigen die Menschen meisten dazu, sich in dieser Situation viel auszuruhen. Betroffene sollten jedoch trotz Beschwerden nicht dauerhaft liegen. Fachleute empfehlen, möglichst bald wieder in Bewegung zu kommen, da anhaltende Inaktivität die Muskulatur schwächt. Spaziergänge oder leichte Dehnübungen helfen, aktiv zu bleiben. Wichtig ist, Schmerzen nicht bewusst zu provozieren und den Rücken, etwa durch schweres Heben, nicht zusätzlich zu belasten.3
Wie werden Ischiasschmerzen behandelt?
Zur Behandlung von Ischiasschmerzen werden häufig entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen verschrieben. Studien zeigen jedoch, dass sie nur einem Teil der Betroffenen helfen. Auch Kortisonspritzen in den betroffenen Bereich (Epiduralraum) können zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Häufig werden zudem physiotherapeutische Maßnahmen empfohlen, um die Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt zu stärken, Verspannungen zu lösen oder die Haltung zu verbessern. Zu einer Operation kommt es nur in seltenen Fällen, etwa bei schweren Lähmungen oder anhaltenden starken Schmerzen trotz Therapie. Bei einem operativen Eingriff entfernen Chirurginnen und Chirurgen drückendes Gewebe und entlasten so den Ischias-Nerv.3,1
Wie kann man Ischiasschmerzen vorbeugen?
Nicht alle Ursachen von Ischiasschmerzen lassen sich vermeiden. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, mit denen du das Risiko verringern kannst. Eine bewusste Körperhaltung beim Sitzen, Stehen, Heben und Schlafen entlastet die Wirbelsäule und beugt Fehlbelastungen vor.
Du solltest auch aufs Rauchen verzichten, da es die Durchblutung eingeschränkt und dadurch die Versorgung der Bandscheiben verschlechtert. Darüber hinaus trägt ein gesundes Körpergewicht dazu bei, den Druck auf den unteren Rücken zu reduzieren und die Wirbelsäule zu schonen.
Besonders wichtig ist jedoch Bewegung: Schon regelmäßige Spaziergänge helfen, die Muskeln zu lockern und Ischiasschmerzen vorzubeugen. Ideal wäre es, wenn du zusätzlich durch gezielte Übungen die Rumpfmuskulatur stärkst, also die Muskeln am Rücken und am Bauch, die ebenfalls wichtig sind für einen stabilen Rumpf. 2,7