Die Mariendistel zählt zu den Heilpflanzen mit einer langen Tradition. Schon im Mittelalter wurde sie in Klostergärten gezielt angebaut und genutzt. Unter anderem die Nonne Hildegard von Bingen setzte die Mariendistel im Mittelalter beispielsweise gegen Vergiftungen und Gelbsucht ein. Über die Jahrhunderte hinweg hat die Volksmedizin dieses Wissen bewahrt und weiterentwickelt.1
Heute steht vor allem der Wirkstoffkomplex Silymarin im Fokus der Forschung. Er wird aus den Samen der Pflanze gewonnen und soll antioxidative Eigenschaften besitzen, also freie Radikale neutralisieren. Untersucht wird Silymarin vor allem im Zusammenhang mit der Lebergesundheit. Doch wie genau wirkt die Heilpflanze? Und kann sie womöglich auch bei anderen Erkrankungen helfen?2
Was ist die Mariendistel?
Bei der Mariendistel (Silybum marianum) handelt es sich um eine auffällige Pflanze mit violetten Blüten und glänzenden, grün-weiß-marmorierten Blättern. Charakteristisch sind zudem ihre ausgeprägten Dornen, die der Pflanze ein wehrhaftes Erscheinungsbild verleihen und sie vor Fressfeinden schützen sollen.1,3
Ursprünglich stammt die Mariendistel aus Südeuropa und Nordafrika, heute ist sie jedoch in vielen Teilen der Welt verbreitet und wächst auch in Mitteleuropa häufig wild an sonnigen, trockenen Standorten. Sie gehört zur Familie Korbblütler und kann bis zu drei Metern hoch werden. Botanisch ist sie mit Pflanzen wie der Artischocke und dem Benediktenkraut verwandt. 1,3
Für medizinische Zwecke sind vor allem die Samen interessant. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Bitterstoffe, fettes Öl und den Wirkstoffkomplex Silymarin. Silymarin wird in erster Linie im Zusammenhang mit der Lebergesundheit untersucht. In der Forschung wird zudem diskutiert, ob es die Aufnahme bestimmter Schadstoffe wie Alkohol, Umweltgifte oder Medikamente in die Zellen beeinflussen kann.1,3
Mariendistel – ein Name biblischen Ursprungs
Ob als Christi Krone, Milch- oder Frauendistel bekannt – hinter dem Namen der Mariendistel verbirgt sich eine charmante Legende: Die charakteristischen weißen Flecken auf ihren Blättern sollen der Überlieferung nach von der Jungfrau Maria stammen: Beim Stillen des Jesuskindes fielen einige Tropfen Muttermilch auf die Pflanze und prägten so ihr markantes Erscheinungsbild.1
Wogegen kann die Mariendistel helfen?
Die Mariendistel rückt aufgrund ihres potenziellen Nutzens für die allgemeine Gesundheit zunehmend in den Fokus der Forschung. Von Interesse ist vor allem der Wirkstoffkomplex Silymarin, der antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften aufweist. Diese könnten dazu beitragen, verschiedene Prozesse im Körper positiv zu beeinflussen. Daher versuchen Forschende, mehr über die Heilwirkung der Mariendistel herauszufinden.4
Zu den folgenden Anwendungsgebieten gibt es bereits erste Studien mit positiven Tendenzen:
- Unterstützung der Lebergesundheit: In der Wissenschaft wird diskutiert, dass der antioxidative Wirkstoff Silymarin möglicherweise eine entgiftende Wirkung besitzt und womöglich die Lebergesundheit unterstützen kann.5
- Förderung eines gesunden Stoffwechsels: Einige Studien deuten darauf hin, dass die Heilpflanze sowohl die Blutzuckerregulation als auch den Cholesterinspiegel im Blut positiv beeinflussen kann.5,6
- Schutz des Nervensystems: Die antioxidativen Eigenschaften der Mariendistel könnten eventuell helfen, altersbedingten kognitiven Abbau zu verlangsamen.6
- Stärkung der Knochengesundheit: Erste Untersuchungen weisen auf eine unterstützende Rolle bei der Mineralisierung der Knochen hin.5,6 <
- Verbesserung des Hautbildes: Entzündungshemmende Effekte könnten sich positiv auf Hautprobleme wie Akne auswirken. Auch hierzu gibt es erste vielversprechende Studienergebnisse. Weitere Forschung ist jedoch erforderlich.6
Dazu wird die Mariendistel auch im Zusammenhang mit Krebstherapien erwähnt. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Silymarin Nebenwirkungen einer Chemotherapie lindern kann. Doch hier ist die Datengrundlage noch schwach und uneinheitlich.7
Obwohl die bisherigen Erkenntnisse zur Wirkung der Mariendistel vielversprechend sind, sind grundsätzlich weitere Studien erforderlich, um die Wirkmechanismen der Mariendistel besser zu verstehen und weitere Belege für ihre Wirksamkeit zu finden.
Die Mariendistel und ihre Wirkung auf die Leber
Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, das eine zentrale Rolle im Stoffwechsel des Körpers spielt. Die wichtigsten Aufgaben der Leber sind:
- Nährstoff-Stoffwechsel: Die Leber spielt eine entscheidende Rolle bei der Verwertung verschiedener Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Sie speichert Stoffe wie Glukose, Eiweißbausteine (Aminosäuren) und andere Moleküle, bis sie vom Körper benötigt werden.8
- Fettstoffwechsel: Die Leber ist an der Synthese und dem Abbau von Fetten beteiligt. Sie produziert Lipoproteine, die für den Transport von Fetten im Blutkreislauf verantwortlich sind, und ist wichtig für die Umwandlung von überschüssiger Energie in Triglyceride, die als Fett gespeichert werden.8
- Proteinstoffwechsel: Die Leber ist essentiell für die Bildung bestimmter Proteine, darunter solche, die für die Blutgerinnung, den Transport von Nährstoffen und die Regulation des Wasserhaushalts wichtig sind.8
- Entgiftung: Die Leber ist das Hauptorgan für die Entgiftung im Körper. Sie baut schädliche Substanzen, wie etwa Giftstoffe, ab, die dann ausgeschieden werden.8
- Speicherung von Vitaminen und Mineralstoffen: Die Leber speichert zudem verschiedene Vitamine (insbesondere Vitamin A, D und B12) und Mineralstoffe (z. B. Eisen und Kupfer), die für den Stoffwechsel wichtig sind, und gibt sie bei Bedarf an den Organismus ab.8
- Hormonabbau: Die Leber baut Hormone ab, die nicht mehr benötigt werden und reguliert so den Hormonspiegel im Blut.8
Die Leber ist durch ihre vielfältigen Funktionen auch vielen Belastungen ausgesetzt. Zu den Hauptbelastungen zählen:
- Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann schwere Schäden an der Leber verursachen. Alkohol wird von der Leber abgebaut. Dabei entstehen giftige Substanzen, die Entzündungen und Zellschäden verursachen.9
- Fettleber: Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) entsteht durch die Anhäufung von Fett in den Leberzellen. Das kann auf eine ungesunde Ernährung, Übergewicht und/oder Insulinresistenz zurückzuführen sein.9
- Virusinfektionen: Viren wie das Hepatitis-B-Virus (HBV) und das Hepatitis-C-Virus (HCV) können die Leber infizieren und zu Entzündungen (Hepatitis) führen, die langfristig Lebererkrankungen wie Zirrhose oder Leberkrebs auslösen können.9
- Belastungen durch Medikamente: Dies trifft insbesondere zu, wenn eine genetische Veranlagung vorliegt, aber auch bei einer Überdosierung bestimmter Arzneimittel und in seltenen Fällen sogar bei der Einnahme der normalen Dosis. Besonders ausgeprägt ist es jedoch bei einer langfristigen oder hochdosierten Einnahme bestimmter Medikamente. Dazu gehören unter anderem Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika, Paracetamol, einige Antibiotika oder Statine, also eine Gruppe von Cholesterinsenkern.10
- Umweltgifte: Ein langfristiger Kontakt, zum Beispiel aus beruflichen Gründen, mit Umweltgiften wie Schwermetallen, Pestiziden oder industriellen Chemikalien kann die Leber ebenfalls belasten.10
- Übergewicht und metabolisches Syndrom: Übergewicht, insbesondere wenn es mit Diabetes und anderen Symptomen des sogenannten metabolischen Syndroms einhergeht, kann zur Fettlebererkrankung und zu einer Leberentzündung führen.9
Die Leber ist aber ein äußerst regeneratives Organ und somit in der Lage, sich von vielen Formen der Belastung zu erholen. Vorausgesetzt, die Schädigung ist nicht zu weit fortgeschritten. Unterstützend kann dabei Silymarin, der Wirkstoff aus der Mariendistel, auf die Regeneration der Leber wirken.
Silymarin schützt die Leberzellen vor den schädlichen Auswirkungen freier Radikale, indem es diese neutralisiert. Es unterstützt auch die Regeneration geschädigter Leberzellen und fördert die Bildung von neuen, gesunden Zellen. Dieser schützende Effekt kann bei verschiedenen Lebererkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberentzündungen von Vorteil sein.11, 12
Zusätzlich zu den antioxidativen Eigenschaften zeigt Silymarin aus Mariendistel eine entzündungshemmende Wirkung. Entzündungen spielen auch bei vielen Lebererkrankungen eine entscheidende Rolle. Silymarin hemmt die Aktivität bestimmter entzündungsfördernder Substanzen und trägt so dazu bei, Entzündungsreaktionen in der Leber zu reduzieren. Das unterstützt den Erhalt der normalen Leberfunktion und kann das Fortschreiten von entzündlichen Krankheiten verlangsamen.13
In der Notfallmedizin zeigt die Mariendistel eine besondere Wirkung: Hier kommt der hochkonzentrierte Inhaltsstoff Silibinin, ein Bestandteil des Silymarin, zum Einsatz. Silibinin wird bei Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz genutzt. Es kann die Aufnahme des Pilzgiftes in die Leberzellen verhindern.11, 14
Mariendistel: Welche Anwendungsformen stehen zur Auswahl?
In der medizinischen Anwendung wird die Mariendistel meist in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen, die standardisierte Extrakte des Wirkstoffs Silymarin enthalten. Mariendistel-Präparate sind in Dosierungen von 108 bis 750 Milligramm Silymarin erhältlich.15,16 Die Einnahme und Dosierung von Mariendistel-Präparaten sollte stets mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden.
Neben den höher konzentrierten Mariendistelpräparaten kann die Heilpflanze auch in ihrer Rohform verwendet werden. Früchte, Blüten, Blätter und Wurzeln lassen sich zu Tees, Tinkturen oder homöopathischen Mitteln verarbeiten.
Der Wirkstoff Silymarin ist jedoch kaum wasserlöslich. Ein Teeaufguss besitzt daher eine geringere Wirksamkeit als ein Extrakt-Präparat. Dazu gilt es zu beachten: Während Arzneimittel strengen Qualitätskontrollen unterliegen, können Reinheit und Wirkstoffgehalt bei Nahrungsergänzungsmitteln stark variieren.1,15
Welche Nebenwirkungen können bei der Mariendistel auftreten?
Die Einnahme von Präparaten aus der Mariendistel gilt insgesamt als gut verträglich. Der enthaltene Wirkstoff Silymarin führt in Studien meist zu keinen oder nur geringen Nebenwirkungen.
Dazu zählen:
- Magen-Darm-Probleme wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit
- Gewichtsverlust
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- leichtes Schwitzen
- Kopfschmerzen
Trotz der guten Verträglichkeit sind einige Risiken zu beachten. So kann es wie allen pflanzlichen Präparaten bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen kommen, insbesondere bei einer bekannten Allergie gegen Korbblütler. Außerdem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht vollständig ausgeschlossen.
Richtig eingesetzt birgt die Mariendistel unter Umständen viel Potenzial bei der unterstützenden Behandlung von Leberschäden oder Stoffwechselproblemen. Sie ersetzt jedoch keine Medikamente.7