Bluthochdruck im Griff: Wie Hypertonie entsteht und was hilft
Bluthochdruck wirkt sich negativ auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus. Mit diesen Maßnahmen lässt sich gegensteuern.
Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland hat einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie).(1) Im Alltag macht sich dies kaum bemerkbar. Allerdings steigt mit dem Blutdruck auch das Risiko für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall und viele weitere Organschäden. Die gute Nachricht ist: Viele Faktoren, die zu einer Hypertonie beitragen, können Sie aktiv beeinflussen.1,2
Was ist arterielle Hypertonie?
Arterielle Hypertonie ist der medizinische Fachausdruck für Bluthochdruck. Damit gemeint ist der innere Druck, den das Blut beim Herzschlag auf die Wände der Gefäße ausübt – jener Gefäße, die vom Herzen in den Körper führen (arteriell). Ist dieser Druck ungesund hoch, spricht man von einer Hypertonie.3
Relevant für den Blutdruck sind zwei verschiedene Werte:3
- Der systolische Blutdruck (oberer Wert) beschreibt den als Puls spürbaren Druck in der Arterie, während das Herz pumpt.
- Der diastolische Blutdruck (unterer Wert) ist der gemessene Druck zwischen zwei Pulsschlägen, in der Entspannungsphase des Herzens.
Gemessen werden die Blutdruckwerte in der Einheit "Millimeter Quecksilbersäule", kurz mmHg. Eine Hypertonie liegt per Definition vor, wenn der systolische Blutdruck über 140 und/oder der diastolische Wert über 90 liegt.3
Die aktuelle medizinische Leitlinie unterteilt verschiedene Schweregrade von Hypertonie:1
- Hypertonie Grad 1: systolisch 140-159 mmHg, diastolisch 90-99 mmHg
- Hypertonie Grad 2: systolisch 160-179 mmHg, diastolisch 100-109 mmHg
- Hypertonie Grad 3: systolisch ≥ 180 mmHg, diastolisch ≥ 110 mmHg
Hypertonie und Hypotonie
Nicht zu verwechseln mit der Hypertonie ist die Hypotonie - ein erniedrigter Blutdruck. Hier liegt der systolische Blutdruckwert unter 100 mmHg. Ein niedriger Blutdruck kann zu Beschwerden wie Schwindel und Konzentrationsstörungen führen, gilt im Allgemeinen aber als unbedenklich.(4)
Welche Ursachen hat Bluthochdruck (Hypertonie)?
Normalerweise reguliert der Körper den Blutdruck genau nach Situation und Bedarf: Im entspannten Zustand ist er niedrig; bei körperlicher Aktivität, Stress und Angst steigt er an. Bestimmte Erkrankungen (zum Beispiel der Schilddrüse) und Medikamente (zum Beispiel bestimmte Psychopharmaka oder Schmerzmittel) können dafür sorgen, dass der Blutdruck dauerhaft ansteigt. Dann sprechen Fachleute von einer sekundären Hypertonie.2
Weitaus häufiger ist die primäre oder essentielle Hypertonie. Das bedeutet, dass die Ursache für den Bluthochdruck sich nicht auf eine andere Erkrankung oder deren Behandlung zurückführen lässt. Es gibt jedoch zahlreiche bekannte Risikofaktoren für eine essentielle Hypertonie:2
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- ungünstige Ernährung
- Rauchen
- Alkohol
- erbliche Veranlagung
Welche Folgen kann Hypertonie haben?
Der Bluthochdruck selbst verursacht den meisten Betroffenen keine Beschwerden. Nur bei sehr hohem Blutdruck kommt es gelegentlich zu Symptomen wie Schwindel und Kopfschmerzen. Eine Hypertonie ist aber auch ernstzunehmen, wenn keine Beschwerden bestehen: Es geht vor allem darum, schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden.3
Der erhöhte Blutdruck kann auf Dauer das Herz überlasten und die Gefäße sowie verschiedene Organe schädigen. Zu den bekannten Folgen der Hypertonie gehören:2
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- koronare Herzkrankheit (Verkalkung der Herzkranzgefäße)
- Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Nierenschäden
- Schlaganfall
Die Gefahr für diese Folgeerkrankungen ist besonders erhöht, wenn zur Hypertonie weitere Risikofaktoren dazukommen – zum Beispiel Diabetes, Übergewicht oder eine familiäre Veranlagung.2
Was bedeutet pulmonale Hypertonie?
Anders als die arterielle Hypertonie, die sich auf den Blutdruck im großen Blutkreislauf des Körpers bezieht, geht es bei der pulmonalen Hypertonie um den kleineren Lungenkreislauf. In diesem pumpt das Herz das sauerstoffarme ("verbrauchte") Blut aus dem Körper zur Lunge, wo Kohlendioxid abgegeben und das Blut mit frischem Sauerstoff aus der Atemluft angereichert wird. Das nun sauerstoffreiche Blut fließt wieder zum Herzen, das es nun in den großen Körperkreislauf pumpt.5
Bei einer pulmonalen Hypertonie ist der Gefäßdruck im Lungenkreislauf erhöht. Deswegen spricht man auch von Lungenhochdruck. Der ist seltener und auch etwas schwieriger festzustellen als ein "normaler Bluthochdruck". Die pulmonale Hypertonie kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Linksherzschwäche, Herzklappenfehler oder Erkrankungen der Lungengefäße. Sie macht sich vor allem durch Kurzatmigkeit, Müdigkeit und teilweise auch Husten, Herzbeschwerden und Wassereinlagerungen bemerkbar. Eine frühzeitige ärztliche Diagnose und Behandlung ist bei einer pulmonalen Hypertonie besonders wichtig.5
Was tun gegen essentielle Hypertonie?
Verschiedene Ansätze können dabei helfen, einen erhöhten Blutdruck zu senken. Die wichtigsten Maßnahmen gegen Hypertonie bestehen darin, den Lebensstil in unterschiedlichen Punkten anzupassen, zum Beispiel mit:1
- einer gesunden und salzarmen Ernährung
- Sport und/oder mehr Bewegung im Alltag
- möglichst wenig Alkohol
- Verzicht auf Tabakprodukte
- Entspannungsverfahren (wie Autogenes Training oder Yoga)
Wenn bei dir eine arterielle Hypertonie besteht, bespreche mögliche Maßnahmen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Es gibt zum Beispiel spezielle Schulungen, in denen du lernst, wie es zu Bluthochdruck kommt, wie du individuell gegensteuern und deinen Blutdruck selbst kontrollieren kannst.2
Bluthochdruck und Schokolade
Zur Therapie der Hypertonie gehört eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig Salz. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie auf Genuss verzichten müssen. Im Gegenteil: Wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass der wichtigste Bestandteil von Schokolade – Kakao aus der Kakaobohne – den Blutdruck senken und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen könnte. Eine Studie an mehr als 19.000 Erwachsenen in Deutschland hat gezeigt, dass diejenigen, die regelmäßig Schokolade naschten, über einen Zeitraum von 10 Jahren ein um 39 Prozent verringertes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten. Die Forschenden führen das zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der im Kakao enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe (Flavanole) zurück. Sie schließen daraus, dass Schokolade – insbesondere solche mit einem hohen Kakaogehalt – in kleinen Mengen ein sinnvoller Bestandteil der Ernährung bei Bluthochdruck sein kann.6
Bei sehr hohem Blutdruck oder weiteren Herz-Kreislauf-Risikofaktoren kann es sinnvoll sein, zusätzlich Medikamente gegen Hypertonie einzunehmen. Dazu gehören zum Beispiel:7
- ACE-Hemmer
- Sartane (Angiotensin-Antagonisten)
- Diuretika
- Calcium-Antagonisten
Die verschiedenen Wirkstoffgruppen regulieren die Hypertonie auf unterschiedliche Weise, blockieren zum Beispiel blutdrucksteigernde Enzyme oder Botenstoffe (ACE-Hemmer und Sartane), wirken entwässernd (Diuretika) oder weiten die Blutgefäße (Calcium-Antagonisten). Die Ärztin oder der Arzt berät dazu, welche Medikamente in welcher Dosierung für Sie geeignet sind. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Aktivität, Entspannung und der richtigen Ernährung bildet jedoch die Basis der Hypertonie-Behandlung.7