Der durchgetaktete Alltag des modernen Lebens stresst viele Menschen: Es fällt ihnen schwer, zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Hilfe kann die Passionsblume (Passiflora incarnata) bieten. Sie wird als pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von nervöser Unruhe und leichten Schlafstörungen eingesetzt. Neben der traditionellen Anwendung als Tee stehen homöopathische Präparate sowie Extrakte des Krauts als Tablette, Kapsel oder Tropfen zur Verfügung.1
Ursprung und Besonderheiten der Passionsblume
Die Passionsblume stammt ursprünglich aus dem tropischen Regenwald in Mittel-, Nord- und Südamerika. Einige Arten sind auch in Asien, Australien und Neuseeland heimisch. Mittlerweile wächst sie sogar an einigen Stellen in Europa. Die Passionsblume gehört zur botanischen Familie der Passifloraceae und ist als Zierpflanze sehr beliebt – vor allem wegen ihrer auffälligen Blüten. Diese sind mit einem Durchmesser von fünf bis neun Zentimetern sehr groß und haben einen kronenartig, weißlich-blau gefärbten Kelch. Blütezeit ist zwischen Mai und September. Die Kletterpflanze bildet außerdem Früchte, aus denen Maracujasaft gewonnen wird.1
Wissensbox
Der Name der Passionsblume bezieht sich auf die Leidensgeschichte Christi. Christliche Missionare sahen in der komplexen Blütenstruktur Symbole für die Passion: der Blütenkelch repräsentiert demnach die Dornenkrone, die fünf Staubblätter die Wunden Christi und die drei Narben der Blüte die Kreuznägel. Der Artname „incarnata“ bedeutet „die Fleischgewordene“.1,2
Für die Herstellung von Arzneien wird das oberirdische Kraut (Passiflorae herba = Passionsblumenkraut) der Pflanze verwendet, das getrocknet und zerkleinert wird. Das Kraut liefert verschiedene Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Flavonoide, cyanogene Glykoside, freie Aminosäuren und Polysaccharide.1,2
Die Passionsblume und ihre Wirkung
Bereits die Ureinwohner Amerikas verwendeten die Passionsblume als Heilpflanze und behandelten damit Leiden wie Leberbeschwerden oder Entzündungen. Auch heute noch setzen viele Menschen auf die Heilkraft der Pflanze.3
Es gibt Hinweise darauf, dass Extrakte der Passionsblume den Stoffwechsel des Nervenbotenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) beeinflussen. Niedrige GABA-Spiegel werden mit Symptomen wie nervöser Unruhe, Angst, Depression und Schlaflosigkeit in Verbindung gebracht.4
Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur hat das Passionsblumenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft, das bei leichtem psychischem Stress und zur Förderung des Schlafes eingesetzt werden kann. Diese Einschätzung stützt sich auf die langjährige und sichere Anwendung der Heilpflanze.5
Schon in den 1980er-Jahren hatte die Kommission E, eine Einrichtung des früheren Bundesgesundheitsamtes in Deutschland, die Verwendung von Passionsblumenkraut bei Unruhezuständen anerkannt. Ein weiteres internationales Fachgremium, die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy), hat die medizinische Anwendung der Passionsblume bei Angespanntheit, Unruhezuständen und Reizbarkeit mit Einschlafstörungen bestätigt.1
Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von Passionsblumenextrakt zudem bei Schlafstörungen helfen und die Gesamtschlafzeit erhöhen kann. Auch bei Angst und Nervosität vor chirurgischen Eingriffen könnte die Passionsblume eine lindernde Wirkung haben. Weitere Studien sind nötig, um die klinische Wirksamkeit zu untersuchen und die positiven Ergebnisse zu bestätigen.6,7,8
Die Anwendung von Passionsblumen-Zubereitungen gilt als gut verträglich, sofern die richtige Dosierung eingehalten wird. Anders als bei synthetischen Beruhigungsmitteln gibt es kein Risiko für eine Abhängigkeit. Möglich sind allerdings allergische Reaktionen, wie es auch bei anderen pflanzlichen Mitteln der Fall ist. Schwangeren und stillenden Frauen wird die Anwendung bislang nicht empfohlen, da es keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit gibt. Auch für Kinder unter zwölf Jahren fehlen Nachweise.1
Wie wird die Passionsblume angewendet?
Die Passionsblume gibt es in verschiedenen Darreichungsformen:
- Passionsblumenkraut, getrocknet und geschnitten als Tee
- Trockenextrakte in Tabletten, Kapseln, Instant-Tees
- Fluidextrakt in Tropfen1
Tabletten oder Kapseln mit Passionsblume haben den Vorteil, dass sie sehr einfach anzuwenden sind und – anders als beispielsweise Tee – eine standardisierte Dosierung bieten, also eine exakt berechnete Menge an Wirkstoffen, die eine gleichbleibende Wirkung und eine bessere Kontrolle der Dosierung unterstützt. Die Passionsblume wird zudem oft mit anderen Heilpflanzen wie etwa Baldrian, Melisse, Hopfen und Johanniskraut kombiniert, um die beruhigende Wirkung zu verstärken oder zu ergänzen.1
Die Passionsblume gibt es auch als homöopathisches Arzneimittel, zum Beispiel als Globuli oder Tropfen. Sie werden vor allem bei körperlichen und seelischen Schwächezuständen, Folgen erschöpfender Krankheiten und Schlafstörungen eingesetzt. Homöopathische Präparate mit Passionsblume können in jedem Lebensalter angewendet werden, also auch bei Kindern.1,9