Vitamin B6 ist ein wichtiges Vitamin, das an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt ist. Es spielt eine zentrale Rolle etwa bei der Umsetzung von Aminosäuren und Kohlenhydraten und bei der Bildung von Botenstoffen, die das Nerven- und Immunsystem unterstützen.1
Was ist Vitamin B₆ und wofür brauchen wir es?
Vitamin B6 ist keine einzelne Substanz, sondern vereint verschiedene chemische Verbindungen wie Pyridoxin, Pyridoxamin oder Pyridoxal. Alle Verbindungen sind gleich wirksam und können im Körper wechselseitig ineinander umgewandelt werden. Vitamin B6 gehört außerdem zur Gruppe der B-Vitamine, von denen es insgesamt acht verschiedene gibt (Vitamin-B-Komplex). Sie haben im menschlichen Organismus unterschiedliche Aufgaben, wirken aber auch eng zusammen.2,3
Vitamin B6 übernimmt im Körper viele wichtige Funktionen, da es ein essenzieller Bestandteil einiger Enzyme ist. So ist es zum Beispiel am Ab-, Um- und Aufbau von Aminosäuren und an der Umsetzung von Kohlehydraten beteiligt. Zusammen mit weiteren B-Vitaminen reguliert es zum Beispiel den Homocystein-Stoffwechsel. Vitamin B6 beeinflusst das Immunsystem. Außerdem hilft es bei der Bildung
- von Botenstoffen des Nervensystems oder des Fettstoffwechsels,
- des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin
- des B-Vitamins Niacin.3
Vitamin B₆ in Lebensmitteln
Vitamin B6 kommt in vielen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln wie Leber, Fisch, Schweinefleisch, Geflügel, Nüsse, Vollkorngetreide, Gemüse wie rote Paprika und Kartoffeln vor. Das Vitamin ist wasserlöslich und licht- sowie hitzeempfindlich. Ein schonender Umgang mit Lebensmitteln (vor allem Gemüse) ist daher wichtig.
Das bedeutet:3,2
- nicht zu intensiv waschen oder wässern
- mit wenig Wasser garen
- kühl und lichtgeschützt lagern
- nicht zu lange lagern3,2
Vitamin B₆-Mangel: Symptome erkennen
Ein Vitamin-B6-Mangel, der ausschließlich ernährungsbedingt entsteht, ist in Deutschland eher selten. Meist geht er mit weiteren Faktoren einher, wie etwa Alkoholmissbrauch oder Erkrankungen der Leber. Auch orale Verhütungsmittel (Anti-Babypille) sowie verschiedene Medikamente (etwa gegen Asthma, Epilepsie etc.) können das Risiko für einen Mangel erhöhen. Außerdem haben schwangere und stillende Frauen sowie ältere Menschen mit einseitiger Ernährung einen erhöhten Bedarf. Ein Vitamin-B6-Mangel kann sich unter anderem durch folgende Symptome äußern:2,3
- Hautveränderungen im Bereich von Nase, Mund und Augen
- Blutarmut (Anämie)
- Sensibilitätsstörungen
- Krämpfe
- erhöhte Reizbarkeit
- Schlafstörungen2,3
Vitamin B₆ und Magnesium – starkes Duo
Vitamin B6 fördert das Einschleusen von Magnesium in die Körperzellen und kann damit die Effekte von Magnesium auf Muskeln, Nerven und Energiehaushalt verstärken. Umgekehrt ist Magnesium als Cofaktor für verschiedene enzymatische Reaktionen wichtig, an denen Vitamin B6 beteiligt ist. Aufgrund der synergistischen Wirkung auf Nervenfunktion und Energiehaushalt wird in der Mikronährstofftherapie häufig die Kombination von Magnesium und Vitamin B6 eingesetzt.3,4
Vitamin B₆ und Vitamin B₁₂
Vitamin B6 sorgt zusammen mit Vitamin B12 dafür, dass Homocystein abgebaut wird. Erhöhte Konzentrationen dieser Aminosäure im Blut stehen mit einem gesteigerten Risiko für Gefäßprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall etc.) in Verbindung. Folat und Vitamin B2 unterstützen die Wirkung von Vitamin B6 und Vitamin B12.3
Vitamin B₆ in der Schwangerschaft
Vitamin B6 kann bei Schwangerschaftsübelkeit helfen. Diese wird ausgelöst durch das Hormon Growth Differentiation Factor 15 (GDF-15). Stark erhöhte GDF-15-Spiegel werden mit starker Übelkeit in der Frühschwangerschaft in Verbindung gebracht. Die Gabe von Vitamin B6 kann laut Studien die Schwere von Schwangerschaftsübelkeit und das Auftreten von Erbrechen reduzieren. Die genauen Zusammenhänge sind noch unklar. Schwangere, die an Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft leiden, sollten in jedem Fall mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt sprechen, bevor sie Vitamin-B6-Präparate einnehmen.5,6,7
Vitamin B₆: Tagesbedarf & Überdosierung
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Empfehlungen für den Vitamin-B6-Tagesbedarf, je nach Alter und Lebenssituation, zusammengestellt:
- Säuglinge (0 bis unter 4 Monate - handelt es sich um einen Schätzwert): 0,1 mg/Tag
- Säuglinge (4 bis unter als 12 Monate): 0,3 mg/Tag
- Kinder (1 Jahr bis unterals 4 Jahre): 0,6 mg/Tag
- Kinder (4 Jahr bis unter als 7 Jahre): 0,7 mg/Tag
- Kinder (7 Jahr bisunter als 10 Jahre): 1,0 mg/Tag
- Kinder (10 Jahr bis unter als 13 Jahre): 1,2 mg/Tag
- Jugendliche (13 Jahr bis unter als 15 Jahre): 1,5 mg/Tag (Frauen), 1,4 mg/Tag (Männer)
- Jugendliche (15 Jahr bis unter als 19 Jahre): 1,6 mg/Tag (Frauen), 1,4 mg/Tag (Männer)
- Erwachsene: 1,6 mg/Tag (Frauen), 1,4 mg/Tag (Männer)
- Schwangere: 1,5 mg/Tag im ersten, 1,8 mg/Tag im zweiten und dritten Trimenon
- Stillende: 1,6 mg/Tag8
Eine Vitamin-B6-Überdosierung etwa durch Nährstoffpräparate, angereicherte Lebensmittel oder Medikamente kann zu unerwünschten Wirkungen führen. Wer langfristig mehr als 500 Milligramm Vitamin B6 pro Tag beziehungsweise mehr als 8 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nimmt, riskiert Muskelschwäche, Hautveränderungen und neurologische Störungen. Gut zu wissen: Über die Ernährung sind diese Werte nicht zu erreichen.2,3
Vitamin B₆ und Schlaf
Vitamin B6 ist an der Umwandlung der Aminosäure Tryptophan zu Serotonin beteiligt – Serotonin wiederum ist direkter Vorläufer des Schlafhormons Melatonin. Ohne ausreichend Vitamin B6 kann die Melatoninbildung eingeschränkt sein, was möglicherweise Schlafstörungen begünstigt.3,9