Osteoporose erkennen, behandeln und vorbeugen: So bleiben Knochen langfristig gesund
Osteoporose erkennen, behandeln und vorbeugen: So bleiben Knochen langfristig gesund
Mit zunehmendem Alter nimmt die Knochensubstanz bei jedem Menschen ein wenig ab. Verlieren die Knochen jedoch ihre Stabilität, können sie bereits bei kleineren Belastungen brechen – dann spricht man von Osteoporose. In Europa bricht bei etwa jeder dritten Frau und jedem sechsten Mann im Laufe des Lebens mindestens ein Knochen infolge des Knochenschwunds. Fachleute schätzen, dass in der EU mehr als 23 Millionen Menschen Osteoporose mit einem erhöhten Risiko für Brüche haben.1
Inhalt
Was ist Osteoporose?
Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Knochen sind lebendiges Körpergewebe, das immer wieder repariert, ab- und wieder aufgebaut wird. Sie enthalten ein Schwamm-ähnliches Gerüst aus feinen Bälkchen (Trabekel). Je dichter und mineralhaltiger das Gerüst, desto stabiler der Knochen. Bei Osteoporose sind die Zellen, die Knochen abbauen (Osteoklasten) aktiver als jene, die Knochen aufbauen (Osteoblasten). Dadurch verlieren die Knochen ihre stabile Struktur und können leichter brechen. Ist aufgrund der oben beschriebenen Abbauprozesse bereits ein Knochen gebrochen, liegt per Definition eine manifeste Osteoporose vor, also die sichtbare Folge der Krankheit.2
Das Risiko für Knochenbrüche wird durch verschiedene Faktoren bestimmt, vor allem aber durch die messbare Knochendichte. Dazu dient der sogenannte T-Wert (Erläuterung siehe Wissensbox: Osteoporose oder Osteopenie?) der sich mit einer Knochendichtemessung bestimmen lässt. Unterschreitet der T-Wert eine bestimmte Schwelle (≤ -2,5), sprechen Fachleute von einer Osteoporose. Einige Knochen sind besonders anfällig für osteoporotische Brüche, zum Beispiel die Wirbelkörper in der Lendenwirbelsäule, der Oberschenkelhals und die Speiche im Handgelenk. So steigt etwa die Gefahr für einen Oberschenkelhalsbruch durch Osteoporose für Frauen mit zunehmendem Alter um ein Vielfaches.2

Wissensbox: Osteoporose oder Osteopenie?
Wissensbox: Osteoporose oder Osteopenie?
Der Knochenabbau beginnt oft lange vor den ersten Brüchen. Auch wenn typische Osteoporose-Symptome noch fehlen, lässt sich dann mit einer Knochendichtemessung bereits eine Vorstufe der Osteoporose feststellen: die Osteopenie. Per Definition spricht ein T-Wert unter -1, aber über -2,5 für eine Osteopenie. Eine Diagnose in diesem Stadium ist hilfreich, um einem weiteren Knochenabbau aktiv entgegenzuwirken.6
Was sind Risikofaktoren für Osteoporose?

Einige Risikofaktoren für Osteoporose lassen sich nicht beeinflussen. Dazu gehören:3,4
- Alter: Mit jedem Lebensjahrzehnt verdoppelt sich die Gefahr eines Osteoporose-bedingten Knochenbruchs.
- Geschlecht: Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, insbesondere nach den Wechseljahren.
- Genetische Veranlagung: Hatten die Eltern Brüche im Bereich von Hüfte und Oberschenkel, ist auch das eigene Osteoporose-Risiko erhöht.
- Vorerkrankungen und Therapien: Unter anderem können chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Rheuma, Nierenerkrankungen, Krebs und Chemotherapien sowie verschiedene dauerhaft eingenommene Medikamente wie Kortison die Knochensubstanz schädigen.
Andere Risikofaktoren für Osteoporose lassen sich beeinflussen. Dazu gehören:3,4
- falsche Ernährung, die zu einer Unterversorgung mit Calcium oder Vitamin D führt
- Bewegungsmangel führt zu weniger Muskel- und auch Knochenmasse
- übermäßiger Koffein- oder Alkoholkonsum kann den Knochenaufbau behindern
- Rauchen fördert entzündliche Prozesse und verschlechtert den Knochenstoffwechsel
Wissensbox: Osteoporose und Wechseljahre
Wissensbox: Osteoporose und Wechseljahre
Der Knochenaufbau beginnt im Kindes- und Jugendalter. Mit etwa 30 Jahren ist die maximale Knochendichte erreicht; danach überwiegen die abbauenden Prozesse. Bei Frauen schützt vor allem das Geschlechtshormon Östrogen die Knochensubstanz. In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel jedoch rapide. Die Folge ist, dass jede dritte Frau unmittelbar nach den Wechseljahren an Osteoporose erkrankt. Mit dem Alter steigt die Zahl der Betroffenen weiter an.4,5
Wie erkennt man Osteoporose-Symptome?
Eine Osteoporose entwickelt sich oft schleichend und bleibt lange Zeit unbemerkt. Erst bei fortgeschrittenem Knochenabbau kommt es zu Osteoporose-Symptomen wie:6
- Rückenschmerzen
- abnehmende Körpergröße
- zunehmend gebückte Körperhaltung (“Buckel”)
- Knochenbrüche bei geringer Belastung (z. B. Aufstützen mit der Hand)
Die sich krümmende Wirbelsäule und abnehmende Körpergröße sind die Folge von oft unbemerkten Brüchen der knöchernen Wirbelkörper. Im fortgeschrittenen Stadium kann selbst ein herzhaftes Husten einen solchen Bruch verursachen.6
Osteoporose-Test: Wie wird die Krankheit diagnostiziert?
Bei Verdacht auf Osteoporose stellt der Arzt zunächst eine Reihe von Fragen, zum Beispiel über vorausgegangene Knochenbrüche, Grunderkrankungen und bekannte Osteoporose-Fälle in der Familie. Die Diagnose wird manchmal nach einem Knochenbruch bei ungewöhnlich geringer Belastung gestellt, in anderen Fällen aufgrund zufällig entdeckter Wirbelbrüche im Röntgenbild festgestellt.6,7
Der wichtigste Osteoporose-Test ist die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie). Diese Untersuchung funktioniert mit einer niedrigen Dosis an Röntgenstrahlung und liefert Informationen über den Mineralgehalt der Knochen, zum Beispiel in der Lendenwirbelsäule oder im Oberschenkel. Das Ergebnis der Knochendichtemessung gibt der sogenannte T-Score (T-Wert) an. Ein Wert von 0 entspricht einem gesunden jungen Erwachsenen von rund 30 Jahren. Darauf basierend gilt:6,7
- T-Score bis -1: Normalbefund
- T-Score zwischen -1 und -2,5: Osteopenie
- T-Score unter -2,5: Osteoporose
Darüber hinaus können eine Röntgenuntersuchung und andere bildgebende Verfahren dabei helfen, bestehende oder neu aufgetretene Brüche sowie Verformungen der Wirbelsäule sichtbar zu machen. Auch ein Bluttest liefert wichtige Informationen, die einen Hinweis auf die Ursache und Ausprägung der Osteoporose geben können (zum Beispiel Calcium und Phosphor, Schilddrüsen- und Nierenwerte).6
Was gehört zur Osteoporose-Therapie?
Die Behandlung der Osteoporose besteht aus mehreren Säulen. Die Basistherapie richtet sich an alle Menschen mit Osteoporose und Osteopenie. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Knochen zu stärken und (weitere) Brüche zu verhindern. Zur Basistherapie gehören:2,6
- Ernährung: Ein vielseitiger, ausgewogener und nährstoffreicher Speiseplan liefert die Grundlage für gesunde und stabile Knochen. Besonders wichtig ist es dabei, auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Vitamin K zu achten.
- Bewegung: Auch wer bereits brüchige Knochen hat, sollte in einem angemessenen Rahmen aktiv bleiben. Sport und Bewegung stärken nicht nur die Muskeln, sondern regen auch den Knochenstoffwechsel an und fördern den Knochenaufbau.
- Rauchstopp: Rauchen beschleunigt den Knochenabbau – und aufzuhören kann dabei helfen, die Osteoporose zu bremsen.
Die genauen Maßnahmen zur Osteoporose-Therapie hängen auch davon ab, wie hoch das individuelle Risiko für Knochenbrüche ist. Bei älteren oder gebrechlichen Menschen, die bereits Stürze erlitten haben oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, ist oft eine Physiotherapie sinnvoll. Ziel jedes Bewegungsprogramms ist es, einerseits mit Koordinations- und Gleichgewichtstraining das Risiko für Stürze zu senken, andererseits mit einem Training der Muskelkraft auch das Knochengerüst zu stärken. Bei vorerkrankten Menschen kann es sinnvoll sein, die Therapie anzupassen (etwa Kortison zu reduzieren), um die Knochen zu schützen.2
Für die Knochengesundheit unerlässlich ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium. Die aktuelle Empfehlung für Menschen mit Osteoporose und Osteopenie ohne weitere Medikation liegt bei 1.000 mg Calcium pro Tag. Falls dies über die Nahrung nicht abgedeckt wird, ist eine angepasste Nahrungsergänzung sinnvoll. Das gilt auch für Vitamin D, das wichtig für die Aufnahme von Calcium ist. Ebenfalls am Knochenstoffwechsel beteiligt ist Vitamin K. Eine ausreichende Versorgung mit allen drei Nährstoffen kann die Knochengesundheit langfristig schützen.2
Insbesondere bei fortgeschrittener Osteoporose oder erhöhtem Sturzrisiko kann eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll sein. Dazu gehören sogenannte Bisphosphonate wie Alendronat, Risedronat oder Zoledronat, die den Knochenabbau bremsen sollen. Alternativ und ergänzend gibt es weitere Wirkstoffe wie den monoklonalen Antikörper Denosumab und solche, die in das Hormonsystem eingreifen.6
Wie kann man Osteoporose vorbeugen?
Damit eine Osteoporose sich gar nicht erst entwickelt, ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Calcium, zum Beispiel in Form von Milchprodukten (wie Käse und Molke), grünem Gemüse (wie Grünkohl und Brokkoli), Sesam und Mineralwasser mit hohem Calciumgehalt. Lebensmittel, die viel Phosphat oder Oxalsäure enthalten, können hingegen die Calcium-Aufnahme behindern. Dazu gehören zum Beispiel Cola, manche Wurstwaren und Schmelzkäse – genießen Sie diese nur in Maßen. Das gilt auch für Alkohol und Koffein, übermäßig viel Zucker und Salz.3
Der zweite wichtige Baustein zur Osteoporose-Vorbeugung ist Bewegung – das gilt von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter. Der Körper passt die Knochenstruktur den Belastungen an und kurbelt den Knochenaufbau an. Sinnvoll sind zum Beispiel Kraft- und Koordinationstraining, aber auch zügiges Gehen und Laufen – am besten mehrmals pro Woche für mindestens 30 Minuten. Bewegung an der frischen Luft tut den Knochen doppelt gut, denn Sonnenlicht (in Maßen; Stichwort: Sonnenschutz) auf der Haut fördert die Vitamin-D-Produktion.3
Wenn Sie langfristig Medikamente einnehmen, die der Knochengesundheit schaden können (zum Beispiel Kortison-verwandte Wirkstoffe, Medikamente gegen Epilepsie oder Diabetes), halten Sie ärztliche Rücksprache, inwiefern die Wirkstoffe sich auf Ihr persönliches Osteoporose-Risiko auswirken und ob eine Anpassung sinnvoll sein könnte.3
Bitte beachten Sie, dass es sich bei der Erstellung von Diagnosen oder Therapieempfehlungen um eine ärztliche/therapeutische Tätigkeit handelt. Als pharmazeutischer Hersteller dürfen wir diesbezüglich keine Empfehlungen aussprechen. Bitte besprechen Sie eventuelle Fragen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in Ihrer Apotheke. Bei direkten Fragen zu unseren Präparaten helfen wir Ihnen gerne weiter.
1Kanis JA, Norton N, Harvey NC, Jacobson T, Johansson H, Lorentzon M, McCloskey EV, Willers C, Borgström F. SCOPE 2021: a new scorecard for osteoporosis in Europe. Arch Osteoporos. 2021 Jun 2;16(1):82. (Abrufdatum: 27.08.2024)
2Dachverband Osteologie e.V. (DVO): S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr“, Langfassung V 2.1. (Abrufdatum: 27.08.2024)
3Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI): Osteoporose, Stand 03/23. (Abrufdatum: 27.08.2024)
4Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.: Ursachen und Risikofaktoren. (Abrufdatum: 27.08.2024)
5Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE): Osteoporose. (Abrufdatum: 27.08.2024)
6Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Osteoporose. (Abrufdatum: 27.08.2024)
7Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Osteoporose und Knochenbrüche, Stand 10/22. (Abrufdatum: 27.08.2024)